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Filme übers Erwachsenwerden haben immer dann besonders gut funktioniert, wenn die Geschichte einer kleinen Zeitreise gleicht, wie etwa in „Stand by Me“. Autor und Regisseur Nicholas Verso entführt uns in die Neunziger, als Handys noch Luxus waren und Internetzugang nur per Dial-up möglich war.

Halloween 1997: Hobby-Fotograf Corey hat sich seit einiger Zeit den coolen Jungs angeschlossen und verbringt viel Zeit auf dem Skateboard. Am Abend trifft er per Zufall auf Jonah, einem Außenseiter, der von den Skatern gemobbt wird. Noch einmal zetteln sie ein Spiel aus Kindertagen an und erleben eine gemeinsame Zeitreise…

Verso schafft es binnen kurzer Zeit, eine immens dichte Atmosphäre zu erschaffen, die mit Eintritt der Dunkelheit bis zum Ende anhält. Die geschmückten Straßen des oftmals menschenleeren Vorortes sind detailverliebt und voller kreativer Einfälle, während Corey und Jonah über Ängste, Freundschaft, Träume und Loyalität sinnieren. Dabei streifen sie quer durch den Ort, landen auf einem Dach mit Tauben, trauen sich zu einem sagenumwobenen Nachbarn und betreten zaghaft ein langes Lüftungsrohr.

Die Geschehnisse fühlen sich beinahe wie Echtzeit an, die ehemaligen Freunde nähern sich zaghaft und mit wenig Vertrauen einander an, begeben sich in gefährliche Situationen und kosten das Kindsein noch einmal in vollen Zügen aus, wobei einige Metaphern wie ein Wolfsrudel oder ein schwarzer Mann im weißen Anzug etwas zu häufig bemüht werden.
Derweil hält sich der Score etwas zu sehr im Hintergrund, Songs von Rammstein oder Marilyn Manson spiegeln indes den Zeitgeist der Independent-Szene treffend wider.

Besonders auf optischer Ebene vermag das Mystery-Drama zu punkten. Die Kamera liefert einige ungewöhnliche Perspektiven, sie spielt gekonnt mit Größenverhältnissen und auch der Schnitt arbeitet sehr gut. Darstellerisch ist ebenfalls nichts zu bemängeln, obgleich Toby Wallace als Corey und Gulliver McGrath leichte Unsicherheiten offenbaren.

Ein kleiner Twist, welcher in dieser Form durchaus bekannt ist, kommt dennoch einigermaßen unerwartet, wogegen der Ausgang ein wenig zu erwartungsgemäß erscheint.
Dennoch ein beeindruckender kleiner Film mit einer packenden Atmosphäre, einigen surrealen als auch gruseligen Einlagen, der für Halloween im ruhigen Umfeld keine schlechte Wahl darstellen könnte.
7 von 10

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