kurz angerissen*
Die Zeit scheint beinahe still zu stehen, als die Kamera während der Titeleinblendungen durch das Viertel fährt. Es ist ein Haus dabei, hinter dessen verschlossenen Türen sich bald ein Entführungs- und Missbrauchsdrama abspielen wird. Eine stilisierte Zeitlupe lässt Waden beim Volleyballspiel tanzen, Wasser aus dem Gartenschlauch perlen und Gartenzäune nur zentimeterweise passieren. Schon jetzt ist klar: Es ist kein Polizeiaufgebot zu erwarten, das hollywood-like einmarschiert und die Geisel in dramatischen Minuten frei schießen wird. Wenn alles normal läuft, wird sie niemals gefunden.
Ben Young ist gerade audiovisuell ein auffälliges Debüt gelungen. Farbwahl, Bildkomposition, altbackene Ausstattung und ebenso alte Musik - schon ohne die Handlung als solche ins Spiel bringen zu müssen, entwirft er eine suburbane Hölle ohne Aussicht auf Wiederkehr. Entsprechend minimalistisch ist das Drehbuch gehalten - eine schlichte Meinungsverschiedenheit zwischen Mutter und Teenager-Tochter, eine Ausreißer-Aktion, charmante Überredungskünste aus dem Auto heraus und schon ist ein Horror-Szenario hergestellt, das die Entführte vor allem mit einem quält: Dem Vorenthalten des "Warum".
Da die Entführer keinen langfristigen Plan zu verfolgen scheinen (obwohl sie in der spärlichen Kommunikation mit ihrem Opfer Gegenteiliges andeuten), entscheidet Situatives über den weiteren Verlauf. Die schlichte Konstellation gewährt Aussicht auf eine erfolgreiche Flucht; alleine die Erfahrung des Publikums mit Terrorfilmen wirkt diesem Optimismus entgegen.
Es ist trotz eines beachtlichen Einsatzes von Ashley Cummings ausnahmsweise mal nicht die Entführte, die schauspielerisch herausragt, sondern Emma Booth, die ebenso sehr als Opfer wie als Täterin gezeichnet wird. Sie macht mit einer facettenreichen Darstellung deutlich, wie sehr psychische Gewalt in einer Partnerschaft das individuelle Denken einschränken kann. Damit wird sie zum Spannungskatalysator, wird der Ausgang der Geschichte doch von ihrem inneren Zwiespalt abhängig gemacht. Stephen Curry hat es mit der Darstellung eines brutalen Ekels da deutlich einfacher, befindet sich perfiderweise aber selbst in einer ähnlichen Situation, da Schuldner ihm eine ähnliche Last aufdrücken wie er seiner Frau.
Den Mittelteil hätte man straffen müssen, denn hier nimmt einfaches Trial & Error seinen Lauf, das keine der Figuren weiterbringt. Man könnte meinen, dass Booth die längere Laufzeit zur Entwicklung ihres Charakters benötigt, allerdings ist davon auszugehen, dass ihr straffe 80 Minuten ebenso ausgereicht hätten, da sie bereits früh auf ihren Zwiespalt aufmerksam macht. Davon abgesehen erreicht "Hounds Of Love" sein Ziel, mit einem flauen Gefühl im Magen in den Abspann zu gehen, ebenso effektiv wie ein "Eden Lake" oder "Menschenfeind".
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