kurz angerissen*
Um das gleich vorab zu klären: Regie, Animation und Character Design dieses ebenso turbulenten wie knallbunten Abenteuers durch die Welt der Popmusik bietet kaum Angriffsflächen. Mit dynamischen Fast-Motion-Schwenks durch die überfüllten Straßen, die dank hupender Autos und einem Sammelsurium an unterschiedlichsten Passanten alleine schon unheimlich viel Leben in den Film bringen, werden die Lebenswege ausgewählter Charaktere auf organische Weise miteinander verknüpft und zu einem Ziel geführt, das nach altem Regelwerk der Dramaturgie eine Massenveranstaltung sein muss, hier in Form einer Show rund um Tanz und Gesang. Die Story konzentriert sich gemäß des gewählten Themas auf starke Gegensätze; eine kleine Maus mit gigantischem Ego etwa im Kontrast zu einem Elefantenmädchen ohne Selbstbewusstsein, eine Rockröhre mit Pop im Herzen oder ein Gorilla, der nicht in die Fußstapfen seines kriminellen Vaters treten will. Die Anthropomorphismen der mit Tieren bevölkerten Fantasie-Großstadt wird anders als in "Zoomania" nicht subversiv durchleuchtet, sondern einfach als Stilmittel verwendet, um Charakterzeichnungen zu verwenden, die man ebenso gut in einem mit Menschen gedrehten Realfilm hätte unterbringen können; tatsächlich ist "Sing" in gewisser Weise sogar die animierte Variante des ebenfalls gerade erst erschienenen "The Greatest Showman".
Im Zuge dessen interessiert sich der hauptsächlich auf Kinder und jüngere Heranwachsende abzielende Animationsfilm leider kaum wirklich für die "echten" Persönlichkeiten, sondern nur für die jeweiligen Bühnenfiguren, auch wenn er Gegenteiliges propagiert. Eine Vielfalt von Arten und Persönlichkeiten jedenfalls wird nicht erreicht, wenn man die Bühne als einzig nennenswerte Endstation individueller Entfaltung darstellt - das ewige Missverständnis des TV-Formats "Castingshow" und somit auch dasjenige dieses Films, der sich zudem der Altehrwürdigkeit des Theaters bedient, um die Kurzlebigkeit beliebiger Pop-Schnulzen zu zelebrieren. Der Soundtrack verfügt zwar über einige gute Nummern, verwässert diese aber mit belangloser Instant-Suppe aus dem Zufallsgenerator, wie er nun schon seit fast 20 Jahren die kontemporäre Popmusik dominiert.
Anders als ein "Greatest Showman" kann "Sing" aber zumindest streckenweise auf den Charme der Tierwelt zählen, der im Zusammenspiel der Spezies zumindest hin und wieder ein paar Lacher zu provozieren weiß. Und die obligatorische Gesangsnummer für den Abspann ist dieses Mal dank der Thematik ausnahmsweise nicht völlig aus der Luft gegriffen...
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