Review

"This is one of the most extreme, tasteless, and disturbing movies I've seen in many years. It's also very well done."
   --- The Psychotronic Video Guide (1996), Michael J. Weldon, Seite 511

Dennis Skinner (Ted Raimi) ist ein etwas kauziger aber nicht unsympathischer junger Mann, der wie ein Nomade Amerika durchstreift, um ungestört seinem ungewöhnlichen Hobby zu frönen: er tötet Menschen, häutet sie, und kleidet sich in den blutigen Trophäen. Diesmal hat es ihn aufs Land verschlagen, in irgendein heruntergekommenes Kaff, wo Kerry (Ricki Lake) und Geoff Tate (David Warshofsky) ein so ereignis- wie freudloses Dasein fristen. Während Geoff als Trucker viel unterwegs ist und bei seinen wenigen Abstechern nach Hause gerne schlechte Laune mitbringt, langweilt sich die unterforderte Kerry im gemeinsamen Heim durch den Tag. Das ändert sich, als Skinner das "Zimmer zu vermieten"-Schild auf der Straße sieht und bei den Tates als Untermieter einzieht. Geoff haßt Skinner vom Fleck weg, doch Kerry ist froh, endlich jemanden um sich zu haben. Und dann ist da noch die mysteriöse Heidi (Traci Lords mit altem Hut und langen Haaren, die ihre linke Gesichtshälfte fast völlig verdecken), die Skinner auf den Fersen ist und nur ein Ziel zu kennen scheint: "Sooner or later, I'll find you. And I'll kill you!".

Mit Dennis Skinner lassen Paul Hart-Wilden (Drehbuch) und der gebürtige Ungar Ivan Nagy (Regie) einen Serienkiller los, der in die übergroßen Fußstapfen von Leatherface und Buffalo Bill zu treten versucht. Es bleibt beim Versuch, auch wenn Skinner kein schlechter Film ist und vieles richtig macht. In erster Linie definiert sich Skinner über die dichte, erstaunlich triste und deprimierende Atmosphäre, welche durch den starken, minimalistischen Soundtrack der "Industrial Band" Contagion intensiviert wird. Die meisten Schauplätze des Filmes sind keine Orte, an denen man nachts alleine unterwegs sein, geschweige denn wohnen oder arbeiten möchte. In Sachen Gewaltdarstellungen hält sich Skinner überwiegend zurück, beläßt es meist bei Andeutungen und sekundenkurzen, prägnanten Schockmomenten, mit zwei großen Ausnahmen. Blutiges Herzstück des Streifens ist eine lange Häutungsszene, die dem Zuseher gegen Mitte des Filmes serviert wird. Während Skinner seine Geschichte erzählt (Auslöser seines Verhaltens ist - natürlich - ein Kindheitstrauma), macht er seinem Namen alle Ehre, schält behutsam die Haut vom Körper einer toten Prostituierten, und zieht ihr schließlich den Skalp samt Gesicht vom Kopf. Damit nicht genug, näht er die Hautstücke zusammen und streift sie sich über. Die gesamte Sequenz wurde erstaunlich gut umgesetzt und beeindruckt vor allem dank der überzeugenden Spezialeffekte der K.N.B. Effects Group (die legendären Robert Kurtzman, Gregory Nicotero und Howard Berger). Mit dem zweiten Set-Piece kippt der Film dann leider und gleitet ins hysterisch-lächerliche ab. Skinner trägt nicht nur die Haut eines stämmigen schwarzen Ex-Boxers spazieren, er benimmt sich auch so bizarr wie der ehemalige Träger. Diese haarsträubend derbe Sequenz paßt überhaupt nicht zum bisher gezeigten und ist dermaßen over-the-top und grotesk, daß man nur ungläubig mit offenem Mund vor dem Bildschirm sitzen kann. Als großer Pluspunkt erweist sich hingegen die Besetzung. Sam Raimis Bruder Ted, der Joxer aus der TV-Serie Xena: Warrior Princess, kommt in der Titelrolle sowohl nett als auch bedrohlich rüber (der Wahnsinn brodelt hinter einer sympathischen Maske, und man weiß nie, wann er überschwappt), während die John Waters-erprobte Ricki Lake (Hairspray, Cry-Baby, Serial Mom, Cecil B. DeMented) als Kerry die einzige rundum sympathische Person des Filmes ist. Traci Lords hat als vom Haß zerfressene, morphiumabhängige Heidi relativ wenig zu tun, beweist aber immerhin Mut zur Häßlichkeit. Spannung entsteht vor allem aus dem Verhältnis zwischen Skinner und Kerry und der Frage, ob er sich bei ihr zurückhalten kann. Weit weniger gelungen ist das Ende des Streifens, das den Zuseher ausgesprochen unbefriedigt zurückläßt.

Um auf das Eingangszitat zurückzukommen: ja, Skinner ist teilweise extrem, teilweise geschmacklos, teilweise verstörend, und ja, er ist überraschend gut gemacht, aber so richtig "unter die Haut" geht er leider viel zu selten, und am Ende bleibt ein sehr bitterer Geschmack zurück. Unterm Strich ergibt das somit einen guten, düsteren Serienmörderfilm, der an einem schwachen Drehbuch krankt, das einerseits (zu) vieles offen läßt, andererseits aber weit übers Ziel hinausschießt. Achtung: mit dem Film Skinner ...lebend gehäutet aus dem Jahre 1991, welcher im Original Popcorn heißt, hat dieser Skinner rein gar nichts zu tun.

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