Nach seinem Underground-Hit „Henry: Portrait of a Serial Killer” und dem B-Horrrorschinken „Alienkiller“ drehte John McNaughton mit „Sein Name ist Mad Dog“ ein Starvehikel, das Martin Scorsese produzierte.
Obwohl es sich bei „Sein Name ist Mad Dog“ in erster Linie um eine romantische Tragikomödie handelt, sieht man dem Film durchaus an aus welcher Ecke McNaughton kommt, denn Gewalt ist hier meist roh und unangenehm, etwa ein Doppelmord zur Eröffnung. Den Tatort soll Polizeifotograph Wayne Dobie (Robert De Niro), genannt Mad Dog, ablichten. Dobies Spitzname ist ironisch gemeint, denn der Chicagoer Polizist hat bisher noch nie seine Waffe im Dienst gezogen und möchte eigentlich viel lieber Kunstfotograph sein.
Dobie stellt unerwartet den flüchtigen Mörder, als er in seinem kleinen Laden Snacks holen will und der vermeintliche Ladenpächter nicht einmal die Preise der Ware weiß. Von einer echten Heldentat ist Dobies Einsatz immer noch entfernt, doch sein Eingreifen rettet einem Kunden das Leben: Frank Milo (Bill Murray). Ironischerweise handelt es sich bei dem Gangsterboss und Geldverleiher Frank eigentlich um den gefährlicheren der beiden. Milo will Dobie auf ganz eigene Weise danken: Er schickt ihm die Barkeeperin Glory (Uma Thurman) als Leihgabe für eine Woche.
Glory, die bei Milo Schulden abarbeiten muss, und Dobie, der für diese Art von Danksagung eigentlich nicht offen ist, nähern sich im Laufe der gemeinsam verbrachten Zeit an, doch nach Ende der Frist soll Glory zu Frank zurück. Zum ersten Mal muss Dobie nun wirklich für etwas kämpfen…
Der größte Reiz von „Sein Name ist Mad Dog“, im Original „Mad Dog and Glory“ ist natürlich der, dass seine beiden männlichen Stars die Images tauschen. Robert De Niro, der ewige Gangster, spielt hier ausgerechnet den Polizisten der Verbrechermetropole Chicago, der ein ganz kleines, unheroisches Licht ist, während Comedian Bill Murray den äußerlich netten, aber zu jeder Brutalität bereiten Gangsterboss gibt, der noch dazu ein schlechter Komiker ist (man denke an De Niro in Martin Scorseses „King of Comedy“), dem die Leute auf der Bühne aber zuhören müssen, weil er den Club besitzt. Und tatsächlich funktionieren beiden Hauptdarsteller hervorragend in den ungewohnten Rollen. Uma Thurman ist recht gut, bleibt aber über weite Strecken das Tauschobjekt bzw. der Zankapfel der beiden Männer und glänzt dann in jenen Szenen, in den Glory eben beweist, dass sie mehr als ein Objekt ist. Unter dem Rest der Besetzung stechen vor allem der ewige Copdarsteller David Caruso als Dobeys hartgesottener Kollege und der oft als Mafiahandlanger besetzte Mike Starr als Franks Chefvollstrecker heraus.
Mit diesem spielfreudigen Cast fabriziert McNaughton einen Film, der sich seltsam zwischen alle Stühle setzt. „Sein Name ist Mad Dog“ ist eine Komödie, aber eine dezente. Das Aufblühen Dobeys durch Glorys Anwesenheit hat Feelgood-Qualitäten, manchmal auch mit makabrem Einschlag, etwa wenn der Polizeifotograph bei einem Tatort den Song „Just a Gigolo“ (eine Art musikalisches Leitmotiv des Films) auflegt und freudig zur Arbeit schreitet. Gleichzeitig sind solche fröhlichen und witzigen Momente immer wieder durch den düsteren Rahmen abgeschwächt: Der Film macht keinen Hehl daraus was Frank beruflich tut und mit welchen Mitteln er arbeitet, auch Glorys Zwangslage wird immer wieder thematisiert.
So funktioniert der Film eher als Portrait zweier Menschen, die in einem Umfeld gelandet sind, in das sie nicht passen. Glory als verzweifelte Schuldnerin, Dobey als Biedermeier unter harten Jungs, egal ob diese Cops oder Gangster sind. Genau diese zwei Verlorenen nähern sich an, erkennen einander als Wesensverwandte und haben eine eigenwillige Sexszene, die genau zeigt wie unsicher beide sind, auch wenn Glory die härtere Schale besitzt. Dummerweise wird genau dies immer wieder durch die Gags und vor allem das leicht märchenhafte Happy End immer etwas unterlaufen – vielleicht wäre der Film als reine Komödie oder als reines Drama tatsächlich besser gewesen.
Was den Film jedoch irgendwie sympathisch macht, ist seine Milieuzeichnung: Die harten Jungs von der Polizei und die schweren Jungs von der Mafia kennen sich, belauern einander, was man vor allem immer dann sieht, wenn Mike (David Caruso) und Harold (Mike Starr) als härteste Jungs beider Seiten aufeinandertreffen und sich gegenseitig belauern. Und in diesem Mikrokosmos ist es dann auch möglich, dass Meinungsverschiedenheiten durch eine altmodische Prügelei gelöst werden, dass sich sowohl Cops als auch Gangster an einen Kodex der Straße halten. Auch Frank steht dazu, nachdem er Dobey zuvor entweder monetär ausnehmen oder als Spitzel bei der Polizei haben wollte. Das mag natürlich, auch gerade angesichts der düsteren Seiten des Films, wieder etwas märchenhaft und romantisierend sein, es fügt sich aber in den Kanon der Gangsterfilme ein, die von der ehrenhaften Gesellschaft und dem Vertrauen unter den Nachtschattengewächsen der Gesellschaft erzählen.
„Sein Name ist Mad Dog“ mag mit seiner Mixtur aus Kriminalgeschichte, Komödie und Drama etwas gescheitert sein, da die einzelnen Bestandteile einander im Weg stehen: Die Kriminalgeschichte wird für die anderen Aspekte heruntergefahren, das Drama durch Witze und Happy End unterlaufen, die dezente Comedy steht im Kontrast zu den düsteren Seiten des Films. Und doch beweist der Film selbst im Scheitern irgendwo noch Stil, zumal die Besetzung sich wirklich sehen lassen kann.