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iHaveCNit: Jackie (2017)

Die junge amerikanische Geschichte hat aus politischer Sicht einiges mitgemacht, sei es die „Watergate-Affäre“ und der Sturz Nixons, der erste afroamerikanische Präsident der vereinigten Staaten Barack Obama, Bill Clinton und die Sache mit Monica Lewinsky, der lockere politische Abzugsfinger in den Fragen des Vietnam-, Irak-, Afghanistankriegs, usw., die Wahl eines Donald Trump und auch die Ermordung von John Fitzgerald Kennedy am 22.11.1963 bei einer Reise in Dallas. Die aus diesem Ereignis hervorgegangenen Ermittlungen und Verschwörung haben der Filmwelt genug Stoff geliefert. Doch es gibt kaum einen Film, der sich tatsächlich hautnah mit den Ereignissen um die Präsidentengattin Jaqueline „Jackie“ Kennedy befasst hat. Dies ist nun der Hintergrund im Langfilmdebüt des Chilenen Pablo Larrain.

„Jackie“ wird hier von Natalie Portman gespielt, die von einem Journalisten eine Woche nach dem Attentat interviewt wird. Sie erzählt hauptsächlich vom Attentat und den darauffolgenden Tagen bis zum festlichen Staatsakt sowie wichtiger Erinnerungen an ihren Mann und eine TV-Führung durchs weiße Haus.

„Jackie“ ist ein extrem interessanter Film geworden, der sich voll und ganz auf Natalie Portman eingestellt hat. Er ruft an allen Ecken und Enden genau danach, was am Ende auch zuteil wurde: die Oscarnominierung als „Beste Hauptdarstellerin“. Die Nominierung sehe ich im Nachgang auch als gerechtfertigt an. Sie trägt eine enorme Last auf den Schultern und der Film lässt einen auch diese Last spüren, indem er die Geschichte verschachtelt erzählt, herausfordert und aufgrund der eigentlich traurigen Geschichte die notwendige Stimmung erfordert. Die ambivalenten Facetten ihrer Figur meistert Portman mit Bravour. Jede Nuance ihres Schauspiels sitzt perfekt an Ort und Stelle. Alles ist auf den Punkt, auch bei den Nebendarstellern über Billy Crudup, John Hurt und Peter Sarsgaard. Wir bekommen hier weniger ein rein historisches Biopic zu sehen, sondern ein sehr gutes Psychogramm bzw. eine Charakterstudie von Jackie. Die komplette Gefühlswelt innerlich wird sichtbar, als sie versucht als trauernde Witwe und Mutter von 2 Kindern sehr ambivalent das Vermächtnis ihres Mannes zu sichern und eine respektvolle Bestattung zu organisiern. Die Inszenierung des Films kam für mich sehr statisch und dokumentarisch rüber, so dass ein bisschen Bewegung dem Film doch sehr gut getan hätte. Der musikalische Hintergrund ist sehr befremdlich, aber interessant und sorgt mit den Bildern, der verschachtelten Erzählweise zu einer treffenden Untermalung dieses regelrechten Psychohorrors und des Leidenswegs, den „Jackie“ zu bewältigen hat. Die Kostüme und das komplette Setdesign schmeißen einen auch förmlich ins Amerika der frühen 60er, so dass die Atmosphäre absolut passt. Sperrig und unbequem, aber auch in gewisser Art und Weise wichtig.

„Jackie“ - My First Look – 8/10 Punkte.

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