Review

iHaveCNit: Lion (2017)

Manch ein Film nimmt einen mit auf eine packende Reise. Und viele dieser Reisen schreibt das Leben selbst. Der Newcomer Garth Davis inszeniert hier die wahre Geschichte von Saroo Brierley.
Der junge Inder Saroo ist 5 Jahre alt im Jahre 1986 und bereits mit seinem älteren Bruder Guddu in jungen Jahren dabei seine Mutter zu unterstützen. In einer verhängnisvollen Nacht schläft er in einem Zug ein, der nach langer Fahrt im über 1.500 km entfernten Kalkutta strandet. Nach kurzer Zeit wird er von einer australischen Familie adoptiert. 20 Jahre später fasst er den Entschluss den Spuren seiner Vergangenheit nachzugehen.

„Lion“ hat mir richtig gut gefallen. Der Film hat bei seiner Narration 2 Möglichkeiten gehabt – Entweder wird uns die Handlung im Jetzt gezeigt und die Hintergrundgeschichte lediglich in Flashbacks erzählt – doch auf diesen konventionellen Weg lässt sich der Film nicht ein. Der Film ist eher in 2 Teile aufgesplittet worden. Und der 1. Teil grenzt nahezu an emotionaler Perfektion. In diesem Abschnitt wird uns die Hintergrundgeschichte von Saroo erzählt. Fast dokumentarisch wird uns hier das Indien der 80er Jahre präsentiert und der kleine Sunny Pawar ist der wohl größte Lichtblick in diesem Film. Er spielt den jungen Saroo perfekt und sich direkt in die Herzen der Zuschauer. Durch seine Augen sehen wir, wie gefährlich die Situation für Straßenkinder ist. Im zweiten Abschnitt des Films sind wir quasi im Jetzt und erleben die Suche von Saroo nach seiner Vergangenheit. Hier habe ich die wohl beste Performance überhaupt von Dev Patel gesehen – und Nicole Kidman spielt die Adoptivmutter mit einer solch unaufgesetzten Herzlichkeit, so dass es schon klar ist, warum beide hier für den Oscar nominiert worden sind. Man muss bei dieser Biografie und dem Leidensweg schon klar sagen, dass der Film definitiv für die Oscars gemacht worden ist und man stellenweise dem Film durch seine Inszenierung vorwerfen kann, gezielt die Emotionen manipulativ beim Zuschauer zu erzwingen. Rooney Mara und David Wenham sind hier nur als Stichwortgeber und Plotinstrumente integriert und verschwendet worden. Und mittlerweile finde ich es in Biopics nervig, dass uns am Ende noch Bilder der echten Personen gezeigt werden. So etwas zieht einen extrem aus der gerade erlebten Reise und fühlt sich irgendwie als Fremdkörper an. Aber eine solch respektvolle und herzliche Herangehensweise an die Thematik und die Konflikte einer Adoptivfamilie habe ich bisher noch nicht gesehen.

Trotz allem ist das Drama und die Reise des Films stark genug – vor allem durch die erste Hälfte des Films, die einen perfekten, emotionalen Hintergrund für die zweite Hälfte liefert.

„Lion“ - My First Look – 8/10 Punkte.

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