Das Regiedebüt von Dren Zherka hätte eine verträumte Allegorie über die Einsamkeit im Alter und die Bewältigung von Verlusten werden können. Das erscheint auf dem Papier umso interessanter, als dass zwei Figuren parallel trauern, eine im Kosovo, eine in Deutschland.
Doch leider kocht jeder sein eigenes Trauersüppchen, eine direkte Verbindung kommt zu keiner Zeit zustande.
Hanna (Klara Höfels), Mitte Sechzig, wird in einen Autounfall verwickelt, bei dem Laun stirbt, welcher mit illegalen Papieren aus dem Kosovo kam und der seinem Vater Ismet (Selman Jusufi) regelmäßig mit Überweisungen unterstützte. Während Ismet gesundheitlich und finanziell auf dem Zahnfleisch kriecht, versucht Hanna etwas über die Hintergründe des Verstorbenen zu erfahren…
Das Independent-Drama wurde mit simpler Ausstattung realisiert und zur Hälfte in Pristina und zur anderen in Deutschland gefilmt. Insofern gelingt es Zherka mit einfachen Mitteln, die schicksalsträchtige Vergangenheit Ismets zu veranschaulichen, der in einer modrigen Wohnung haust, in der es zeitweise arg hinein regnet. Frau und Tochter starben, der Sohn floh nach Deutschland und zurück bleibt ein weißhaariger, sehniger alter Mann, der trotz blutigen Hustens nicht auf seine Kippen verzichten kann und dem die dunklen Kapitel Kosovos förmlich ins Gesicht geschrieben stehen.
Auf der anderen Seite Hanna, die mit gefasstem Blick im Leichenschauhaus eingeführt wird.
Den Autounfall kann man lediglich erahnen, denn auch hier wird nicht viel geredet, erklärt und informiert schon mal gar nicht. Andeutungsweise wird ein verschollener Sohn ins Spiel gebracht, doch mit hartnäckigen Nachforschungen hat die Dame offenbar nichts am Hut, weshalb sich das Treiben nach einer Weile vollends im Kreis dreht. Und weil offenbar noch Platz für eine unnötige Szene mehr war, darf Hanna sich im Kreise einiger Katzen bewegen, was für die eigentliche Handlung völlig irrelevant ist.
Das nahezu ereignislose Aneinanderreihen paralleler Begebenheiten ist schon allein deshalb so deprimierend, weil Zherka zwei starke Mimen am Start hat, die mit völlig unterschiedlichen Hintergründen zu Werke gehen: Die erfahrene Klara Höfels agiert zurückhaltend und nuanciert, während der Laie Jusufi mit voller Hingabe performt, dabei jedoch stets glaubwürdig bleibt und somit deutlich mehr Interesse auf sich zieht. Als er zahlreiche Tonbänder mit alten Erinnerungen auseinander dröselt und sich schon bald in Bandsalat verwickelt ist das durchaus witzig und traurig zugleich, doch von solchen markanten Szenen hätte es deutlich mehr gebraucht.
Stattdessen wird minutenlang geraucht, Tee getrunken, geschrieben, telefoniert oder ins Leere gestarrt. Immer im Wechsel zwischen den Protagonisten. Die Problematik mit Identitätsklärungen wird lediglich gestreift, obgleich hier durchaus Potenzial für wichtige Aspekte gewesen wäre, etwa, wie man im privaten Umfeld mehr über die Hintergründe eines Einwanderers hätte herausfinden können. Doch leider gibt es keine Berührungspunkte zwischen dem Kosovo und Deutschland, - sei es aus Mangel an Ideen oder um den inszenatorischen Aufwand möglichst klein zu halten.
Was bleibt, ist eine meditative Auseinandersetzung mit Themen wie Schuld, Einsamkeit, Verlustkompensation und Vergangenheitsbewältigung, die schlicht zuviel Raum für Spekulationen lässt, rein inhaltlich aber zu ereignisarm bleibt, um eine nachhaltige Botschaft zu hinterlassen.
3,5 von 10