WAS IST MIT BOB?
Der Psychiater Dr. Leo Marvin (Richard Dreyfuss) hat es geschafft: Seine etablierte Praxis läuft wie geschmiert und nun will auch noch eine bundesweite Sendung sein neues Buch vorstellen. Da ruft ihn ein befreundeter Pychiater an und bittet ihn einen Patienten zu übernehmen, den titelgebenden Multineurotiker Bob Ryley (Bill Murray). Dieser verliert auch keine Zeit und erscheint kurze später in Dr. Marvin's Praxis, berichtet von seinen ganzen "Leiden" und dreht fast vor Verzweiflung durch als er erfährt, daß sein neuer Psychiater für einen Monat in den Urlaub fährt. Aber Bob gibt nicht so schnell auf, gibt wie sich sehr schnell herausstellt eigentlich niemals auf und reist ihm nach. Von nun an hat Dr. Marvin keine einzige ruhige Minute mehr. Egal was Dr. Marvin macht, egal wohin er fährt -- Bob ist dabei! Bob übernimmt nach und nach seine Rolle in der Familie. Als Bob ihm auch noch den Interview-Termin mit "Good Morning America" versaut sieht er keine andere Möglichkeit als Bob in eine Irrenanstalt abzuschieben. Aber schon nach zwei Stunden ist Bob wieder auf freiem Fuß und Dr. Marvin tritt von einer Wurst in die nächste. Schließlich sieht er sich genötigt zum Äußersten zu gehen...
Was auch ein typisches Sujet für einen 80er Jahre-Slasher abgegeben hätte, ist in Wahrheit eine der lustigsten und besten Komödien aller Zeiten! Aus irgendeinem Grund hat dieser Bill Murray-Streifen es bis heute nicht richtig geschafft auf seinem wohlverdienten Platz neben seinen ungleich berühmteren Kollegen "Und täglich grüßt das Murmeltier" oder "Die Geister, die ich rief" zu stehen. Vielleicht weil dieser Film noch eine Spur intelligenter und zynischer ist. Auch funktioniert der Film viel besser und ist viel logischer weil er vollkommen ohne übernatürliche Elemente arbeitet, die Art wie Bob sich bspw. nach und nach bei den übrigen Marvins das Vertrauen erkämpft, wie er mit seiner liebenswert-tolpatschigen Mentalität die Probleme der Familie löst und sich schließlich immer erfolgreicher selbst therapiert, zeugt von einem wirklich sehr, sehr guten Drehbuchautoren, der alles so simpel und stimmig wie möglich aber auch so effektiv wie nötig zu erklären vermag.
Mit das Beste am Film ist neben Bob eindeutig der immer psychopathischer werdende Dr. Marvin! Man zittert mit ihm, man geht mit ihm an den Rand des Abgrunds und je verzweifelter seine Schritte werden desto mehr versteht man ihn.
Der Film ist zwar ab 6 Jahren freigegeben aber kein Kind in diesem Alter wird all die genialen Seitenhiebe auf die alltägliche Praxis des Psychoanalyse verstehen; der Film ist eindeutig für Erwachsene gemacht. Geil ist z.B. gleich am Anfang des Films als Bob zu Dr. Marvin in die Praxis kommt: Man plaudert kurz über Bob's vielseitige Probleme und Dr. Marvin empfiehlt ihm dann "ein bahnbrechendes, neues Buch" (natürlich das, das er selbst geschrieben hat) und steht dann sekundenlang vor einem Bücherregal, in dem in einer Reihe ausschließlich dieses Buch steht. "Ja, wo steht es denn nur gleich wieder..?" sagt er dann murmelnd -- Eitelkeit auf die Spitze getrieben! Als absolut genial zu bezeichnen ist auch diese die Lächerlichkeit und vermeintliche Unfehlbarkeit der Psychanalytiker karikierende Art und Weise, die sich durch den ganzen Film zieht. Und mehr als geil ist auch die Idee, daß Dr. M. über Probleme in der Familie grundsätzlich nur mittels bescheuerter Handpuppen kommuniziert, die dem jeweiligen Familienmitglied nachempfunden sind (siehe "Mr. Hanky" in "South Park").
Dieser Film vernichtet die Freud'sche Psychanalyse! Am Ende ist Bob vollkommen neurosenfrei und zwar gänzlich ohne akademische Therapie sondern einzig und allein durch die Kommunikation und die Liebe der Familie des Doktors.
Ich sehe mir den Film mindestens ein Mal im Jahr an, mittlerweile wohl zum zehnten Mal, und lach mich immer noch jedesmal schief! Ein absoluter Klassiker!
10 von 10 Punkten!