Der härteste Gegner des einen war ein weißer Hai, der andere musste sich bevorzugt mit Geistern rumschlagen, doch in „Was ist mit Bob?“ traten Bill Murray und Richard Dreyfuss in gewisser Weise gegeneinander an.
Dr. Leo Marvin (Richard Dreyfuss) hat es geschafft – er ist nicht nur anerkannter Psychiater, sein Buch „Babyschritte“ ist empfohlen worden und bringt ihm sogar ein Fernsehinterview ein. Da will sich Leo erst mal Ferien gönnen, dort das Interview über die Bühne bringen. Sein letzter Patient ist Bob Wiley (Bill Murray) ein extremer Neurotiker, dem ihm ein Kollege überstellt hat. Leo drückt Bob einfach sein Buch in die Hand und haut ab, doch Hochmut kommt ja bekanntlich vor dem Fall – vor allem in den Komödien der späten 80er und frühen 90er.
Bob ist nach dem Besuch besessen von der Idee, dass nur Leo ihm helfen kann. Also bringt er dessen Aufenthaltsort heraus und folgt ihm dorthin. Leo will seinen Patienten wieder loswerden, doch der ist hartnäckig – und bald auch bei der Familie beliebt...
Ein bisschen moralisch ist „Was ist mit Bob?“ schon, denn auf den Leo fällt jeder seiner Fehler zurück – Bob schnell abgespeist zu haben oder auch das Ferienhäuschen zu kaufen, auf welches das Ehepaar Guttman lang gespart hatte. Hauptfehler ist natürlich der falsche Umgang mit der lieben Familie, welchen der neurotische, aber extrem liebenswerte Bob auf seine Weise besser hinbekommt. Amüsantes Detail ist die Tatsache, wie sich bald die Rollen von Psychiater und Patient verkehren, Bob z.B. im Kreise der Familie für ein Foto posiert, während Leo langsam des Wahnsinns fette Beute wird.
Die Gags sind auch selten böse, von der ’Todestherapie’ und dem hämischen Ende des Films mal abgesehen (auch wenn der Schluss versöhnlich daherkommt), doch sie sitzen meist. Gerade Leos Entsetzen, wenn Bob immer wieder auftaucht, ist stets einen Schmunzler wert und die Aktionen der Guttmans, die genüsslich Leos Pläne sabotieren, sorgen für großes Amüsement. Skurriles ist selten, findet sich aber auch, z.B. bei Bobs Interpretation vom Segeln.
Sicher kommen die Gags dabei nicht im Stakkato und gelegentlich nimmt sich „Was ist mit Bob?“ in den Familienszenen etwas zuviel Zeit, doch Komödienspezialist Frank Oz besitzt auf dem Regiestuhl ein Gespür für Timing. „Was ist mit Bob?“ ist vielleicht nicht sein bester Film und könnte aus den erwähnten Gründen noch witziger sein, doch langweilig wird das etwas mehr als 90 Minuten dauernde Treiben nicht und es kann immer wieder nett gelacht werden.
Dies liegt vor allem an den wunderbar zusammenspielenden Hauptakteuren: Bill Murray ist aufgekratzt und neurotisch, aber nie zu überdreht, Richard Dreyfuss überheblich und arrogant, aber nie zu unsympathisch und in seinem Wunsch nach Ruhe und Geborgenheit mit der Familie sogar zu verstehen. Neben dem Hauptdarstellerduo geht der Rest der Akteure etwas unter, aber ordentlich spielt auch der Rest vom Fest.
So bleibt eine nette Komödie mit herzigen Gags, die zwar nicht im Dauerfeuer auf den Zuschauer einprasseln, aber immer wieder zum Lachen einladen. Kein ganz großer Film des Komödiengenres, aber gute Abendunterhaltung ohne große Längen.