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Es ist genau 06.11 Uhr, als der Computerspezialist Renton (Robbie Amell) morgens aufwacht, und fast gleichzeitig mit ihm schreckt die neben ihm liegende Hannah (Rachael Taylor) wie aus einem Alptraum auf - doch Zeit zum Nachdenken haben die beiden nicht, denn eine Truppe von drei Einbrechern stürmt das Schlafzimmer im Obergeschoß des Hauses und nimmt die beiden gefangen. Die Eindringlinge - ursprünglich zu viert - wollen nun die Safekombination von den beiden in der Küche Gefesselten erfahren. Es stellt sich heraus, daß Renton bei der totalitär-staatlichen Regierungsfirma Torus gearbeitet hatte, während die Einbrecher der unterdrückten Opposition, dem sogenannten "Block" angehören. Rentons letztes Projekt, ein als Perpetuum mobile konzipiertes Klein-Kraftwerk namens ARQ, hatte zum Bruch mit Torus geführt, weswegen er die Maschine zuhause weiterentwickelt hatte. Bei der Berührung der rotierenden Walze des ARQ hatte der vierte Einbrecher einen tödlichen Stromschlag erlitten, was die verbliebenen drei einen respektvollen Abstand zu der Maschine einhalten läßt. Kaum jedoch haben sie die Kombination des Safes (und dessen Inhalt), schlägt die daraufhin von ihren Fesseln befreite Hannah einen anderen Ton an: die ex-Freundin von Renton, die dieser vor Jahren sitzen gelassen hatte, gehört mittlerweile selbst zum "Block" und ist mit einem der Einbrecher, "Father", zusammen. Im Gegensatz zu diesen (die nur an Geld -"scrips" - und allgemein knappen Nahrungmitteln wie Äpfeln interessiert sind) will sie ARQ dem "Block" zur Verfügung stellen, was zum Streit führt. Sonny erschießt daraufhin den für ihn nutzlos gewordenen Renton, doch im selben Augenblick wacht dieser erneut um 06.11 Uhr neben Hannah auf, wieder stürmen die drei Einbrecher das Schlafzimmer, wieder sitzen sie kurz darauf gefesselt in der Küche - das titelgebende ARQ ist nämlich eine Art Zeitmaschine, deren Zeitschleife alle 3 Stunden, 14 Minuten und 15 Sekunden von vorne beginnt...

Die Idee vom täglich grüßenden Murmeltier (Groundhog Day) ist zwar nicht neu, hier jedoch von Regisseur und Drehbuchautor Tony Elliott in eine dystopische Zukunft eingebettet. Von dieser Zukunft erfährt man allerdings nur beiläufig aus einem nebenher laufenden Fernseher, das Hauptaugenmerk liegt auf dem Handeln der beiden Hauptakteure Renton und Hannah, die sich wohlweislich an die in der Zeitschleife zuvor gemachten Erfahrungen erinnern und ihre Aktionen beim nächsten Mal dementsprechend abstimmen - mit durchaus wechselndem Erfolg übrigens.

Mindestens 6 Durchläufe erlebt der Zuschauer mit den beiden Protagonisten, wobei die gezeigten, unterschiedlichen Abschnitte der Zeitschleifen langsam ein Bild von Rentons und Hannas Vergangenheit und der trostlosen Gegenwart ergeben.
Während man in die Handlung diverse Querverweise packt (so entspricht die Länge der Zeitschleife nicht zufällig der Kreiszahl PI, und auch der Login-Name Ouroboros weist auf die altägyptische Schlange hin, die sich in den eigenen Schwanz beißt) gibt es auch ein paar, allerdings weniger gravierende Logiklöcher, sei es, daß die tödliche Berührung des ARQ erst dessen Zeitschleifen-Mechanik auslöst, es bei einem späteren Durchlauf jedoch gelingt, den vierten Einbrecher von einer Berührung abzuhalten, sodaß dieser unversehrt weiteragieren kann (wtf?) oder auch die räumliche Ausdehnung der Zeitschleife auf einen sehr begrenzten kreisförmigen Bereich rund um das Haus (zu sehen in der einzigen Drohnenperspektive des Films, der ansonsten ausschließlich in den Stockwerken des Hauses spielt), welcher die in jedem Loop zu Hilfe gerufenen Liquidatoren des außerhalb(!) befindlichen Torus-Konzerns in großer Anzahl erschienen zeigen müßte. Daß ARQ drehzahlabhängig die Zeit schneller oder langsamer vergehen lassen, sein zeitliches Protokoll aber nicht verändert werden kann, sorgt darüber hinaus für zusätzliches Stirnrunzeln.

Der Low-Budget-Scifi-Thriller ARQ ist trotz der thematisch bedingten Wiederholungen ganz unterhaltsam mitzuverfolgen, einerseits, weil auch die Einbrecher langsam Wind von den Zeitschleifen bekommen (und ihrerseits Gegenmaßnahmen treffen), andererseits dank des flotten Erzähltempos, das in den knackig-kurzen 88 Minuten keine Langeweile aufkommen läßt. 6 Punkte.

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