In den 1960er Jahren übernimmt die junge Pflegekraft Lily (Ruth Wilson) eine Stelle als Haushaltsangestellte bei der pensionierten Romanautorin Iris Blum (Paula Prentiss) in Massachusetts. Die alte Dame ist bereits dement, hat sonst niemanden und erhält nur selten Besuch vom Verwalter Mr. Waxcap (Bob Balaban), sodaß Lily in dem am Ende einer Straße etwas abgelegenen zweigeschoßigen Haus ihre Tage ganz alleine mit der dahindämmernden Schriftstellerin verbringt.
Die neurotisch veranlagte 28-Jährige, die zuvor noch keinen der Bestsellerromane Blums gelesen hatte, nimmt, nachdem sie schon fast ein ganzes Jahr dort arbeitet, eines Tages dann doch eins der Bücher zur Hand und beginnt vorsichtig darin zu lesen. Dabei vermeint sie die Romanfigur Polly, die der Vorlage zufolge irgendwann spurlos verschwunden war, als Geist in ihrem jetzigen Domizil zu erkennen: seltsame Geräusche wie knarzende Türen oder unheimliche Stimmen bringen Lily, die zwischen Realität und Romanfiktion nicht mehr recht zu unterscheiden weiß, zu der festen Überzeugung, daß jene Polly in den Wänden des Holzhauses lebt...
Regisseur und Drehbuchautor Oz Perkins, Jahrgang 1974, gelingt es mit seinem nicht ganz zutreffend als Horrorfilm betitelten Streifen I Am the Pretty Thing That Lives in the House gleich in doppelter Hinsicht, zweifelhafte Rekorde aufzustellen: zum einen ist dieses 2015er Werk mit das Langweiligste, was jemals unter dem Label Gruselfilm veröffentlicht worden ist, zum anderen schafft es der ausschließlich aus diffusen Andeutungen bestehende Film, in seinen 89 Minuten Laufzeit tatsächlich völlig ohne Handlung auszukommen.
Demzufolge kann die obige Einleitung bereits als (ansonsten streng zu vermeidende) Inhaltsangabe des Films dienen - mehr passiert nämlich nicht. Es gibt auch keine - wie auch immer geartete - finale Auflösung, stattdessen bleibt dem gleichsam ratlosen wie leidgeprüften Publikum am Ende nur, das Gezeigte für sich selbst zu interpretieren.
Man erfährt beinahe nichts über die wenigen Darsteller dieses kammerspielartigen Mystery-Dramas, selbst die eigentliche Arbeit der Hauptdarstellerin als Hausangestellte wird erst nach fast einer Stunde Laufzeit beiläufig gezeigt, ihre Beziehung zur Hausbesitzerin wie auch ihr sonstiges soziales Leben oder gar ihr Werdegang bleiben völlig im Dunklen. Dunkel ist dann auch die zutreffende Beschreibung für die meisten Filmszenen, deren quälend langsam abgefilmte Sequenzen die Aufmerksamkeit des Zusehers umso mehr auf akustische Signale lenken, von denen Lilys, aus langsam gesprochenen Sätzen bestehendes Voice-over das prägnanteste ist.
Horrorfilme der Güteklasse 1 - 2 Punkte gliedern sich meist in schwach budgetierte (Amateur-)Streifen (wie z.B. Werke von The Asylum) oder aber lieblos dahingeschluderte Sequels, Prequels und dergleichen auf, deren miserable Drehbücher entweder von film-unerfahrenen Drehbuchautoren oder aber in größter Eile ohne jegliche Plausibilitätskontrolle abgefasst wurden - beides trifft auf I Am the Pretty Thing That Lives in the House nicht zu, denn sowohl Kameraführung als auch Schnitt sind durchaus als professionell und gewollt diffus zu bezeichnen - am Ende nützt das jedoch alles nichts, wenn fast anderthalb Stunden lang einfach nichts passiert. 2 Punkte für das Schnarchfest, das neue Benchmarks in Sachen Langsamkeit & Langeweile definiert.