Wie überzeugend manche Mimen vor der Kamera agieren, kristallisiert sich oftmals erst im Nachhinein heraus, wenn jene unerwartet früh gehen, wie Bill Paxton, der im Februar 2017 an den Folgen eines Schlaganfalls starb. Im Coming-of-Age-Thriller von Regisseur Nathan Morlando verkörpert er einen Bösewicht und bietet einen überaus gelungenen Gegenpol zu den beiden Jugendlichen.
Der fünfzehnjährige Jonas (Josh Wiggins) ist das Leben auf der Farm seiner Eltern leid und ist umso erfreuter, als die gleichaltrige Casey (Sophie Nélisse) in die Nachbarschaft zieht.
Die beiden freunden sich rasch an, nur Caseys Dad Wayne (Bill Paxton), ein impulsiver und trinksüchtiger Cop, offenbart sogleich, was er von der Beziehung hält. Als Jonas Zeuge eines korrupten Deals wird, flieht er mit der Tasche Drogengeld und nimmt Casey mit. Fortan befinden sich die beiden nicht nur auf der Flucht vor Wayne…
Der Stoff erinnert vor allem rein optisch ein wenig an „Badlands“, „No Country for Old Man“ schimmert auch zuweilen durch. Anfangs lässt sich die Erzählung ein wenig Zeit für die Figuren, was durchaus angemessen ist, um ein späteres Mitfiebern zu ermöglichen. Empathie wird schon insofern geschürt, als dass die Lebenssituation beider Kids nahezu hoffnungslos erscheint: Jonas arbeitet hart auf dem Hof, geht nicht mehr zur Schule und sieht für sich kaum Chance, die Farm seiner Eltern jemals zu verlassen. Diese sind ihm keine Hilfe, denn Dad ist ein gleichgültig agierender Malocher, während seine Mom trinkt. Casey leidet wiederum unter ihrem besitzergreifenden Vater, der primär im Suff zu körperlicher Gewalt neigt und Jonas fast ertränkt, als dieser Casey vor weiteren Schlägen schützen will. Erst später offenbart Wayne minimale Züge von Menschlichkeit, von Überforderung und Hilflosigkeit, welche er mit Machtspielen zu kompensieren versucht.
Regisseur Morlando wählt quasi die offene Konfrontation, da sich 95 Prozent der Geschehnisse unter freiem Himmel abspielt, was eine leicht abenteuerliche, aber auch leicht poetische Note einfließen lässt. Herbstliche Farben dominieren die Landschaften, Vorboten des nahenden Winters schimmern ebenso durch wie die letzten Züge des Sommers, etwa bei den ersten zarten Schneeflocken oder einem Gewittersturm.
Da sich das Paar nicht ständig im Vorwärtsgang befindet, bleibt zwischendurch immer etwas Zeit für einen Gedankenaustausch, bevor es zum Finale wieder etwas temporeicher zugeht, wobei der Showdown unerwartet unspektakulär verläuft.
Neben der recht versierten Kamera und einem zuweilen angenehm verträumten Score, welcher die Gefühlswelten der Heranwachsenden sehr treffend untermalt, punkten allen voran die Darsteller. Paxton performt primär im ersten Drittel engagiert, was seine Figur sogleich hassenswert erscheinen lässt. Die beiden Jungmimen überzeugen durch ihre Natürlichkeit, wobei Wiggins deutlich mehr Facetten zu bieten hat und speziell im Mittelteil einige starke Momente liefert.
Thriller, Abenteuer, Drama und Coming-of-Age bringt Regisseur Morlando recht gekonnt unter einen Hut, nur die Geschichte bleibt weitgehend überraschungsfrei und liefert kaum Wendungen. Einige Aspekte kommen ein wenig beliebig daher (Suche der Cops), bei anderen ärgert ein wenig die überaus naive Herangehensweise der Jugendlichen (Waffenladen).
Dennoch ein kurzweiliges Werk mit starken Bildern und ebenso starken Mimen und von daher eine Empfehlung wert.
7 von 10