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Broke Black Mountain

Einer der wichtigsten Filme für das schwarze Kino. Ein hoffnungsvoller Film für das amerikanische Kino. Ein Meilenstein für das schwule Kino. Ein Richtungszeig der Oscaracademy. Ein aufwühlendes Drama im Stile von "Boyhood", nur tiefschürfender. Oder kurz gesagt: "Moonlight" ist ein glasklares Meisterwerk, dass in vielen Kategorien Superlative setzt, sich jedoch einer finalen Kategorisierung wundervoll entzieht. Er steht über Schubladen. Einfach ein Film, der Bestand haben wird & einer der von Bedeutung ist. In vielerlei Hinsicht das Gegenteil von "La La Land" & mit eben diesem (& wahrscheinlich "Arrival" als Sci-Fi-Gold), der Film, den man sich aus diesem Jahrgang behalten wird. Einer der großen Filme. Kein Film den man vergisst. Einer, der Grenzen, sexuelle Ausrichtung oder Hautfarbe überwindet. Dafür geht man ins Kino. Das lässt träumen, hoffen & glauben.

"Moonlight" ist in drei Kapitel unterteilt & erzählt drei Abschnitte aus dem Leben von Chiron aka Little aka Black, der im schwarzen Ghetto aufwächst, schwer gemobbt wird & sein (homo)sexuelles Erwachen erlebt. Jedes der drei Chapter könnte als meisterhafter Kurzfilm alleine stehen, zusammen als Einheit hat man so etwas noch nicht erlebt. Egal wie "weiß" man ist oder wie wohlhabend oder wie europäisch - jeder, der Mensch ist, wird diesen Film verstehen & fast schon an sich heranlassen müssen. Barry Jenkins zaubert Bilder zwischen Kinomagie & rauer Realität, bei denen jedem Cineast das Wasser im Mund zusammen läuft. Das durchgehend schwarze Ensemble liefert Leistungen, die alle Preise der Welt verdient hätten. Herausheben möchte ich da keinen, aber Gefühle, emotionale Mauern, die Angst & die Hoffnung - alles kam ungefiltert durch die Leinwand, direkt ins Herz. 

Bei all der technischen Perfektion & schauspielerischen Klasse, ist es erstaunlich, dass trotzdem die Gefühle & der Inhalt am Ende am klarsten bei einem bleiben. Kapitel 1 behandelt Themen wie Erziehung, Vorbilder & Realisation. Bei Kapitel 2 rücken Gewalt, Mut & Wut neben tiefe Empathie. Und in Kapitel 3 kann man Themen wie Vergebung, Einsicht & Glück erkennen. Unter anderem. Die größten Themen unseres Lebens - besonnen & realistisch dargelegt. Nie prätentiös. Kitsch ist ein Fremdwort. Nie peinlich oder unpassend. Das Fingerspitzengefühl kann man fast abpausen. Im finalen Kapitel muss man sich zwar physisch mit einem Bruch anfreunden, da der dort gecastete Chiron doch arg muskulös & anders wirkt, dafür stimmen hier die Emotionen nach wie vor & er erinnert stark an seinen filmischen Ziehvater. Kleiner Schönheitsfehler vielleicht & nicht ganz so stark wie seine zwei Vorgänger.

In den kommenden Jahrzenten wird "Moonlight" in einem Atemzug mit Filmen wie "Do the Right Thing" oder "In The Heat of the Night" gennant werden. Indiekino geht nicht eindringlicher & bedeutsamer. Eine Ode, die ermutigt der zu sein, der man wirklich ist. Der man sein will. Das es nie zu spät ist. Das es wichtig ist glücklich zu sein, alles dafür zu tun. Über seinen Schatten zu springen. Ein auslaugendes Erlebnis & trotzdem voller Hoffnung, Liebe, Intimität. Selten kam man einem Filmcharakter so nah. Erst recht nicht einem, der so wenig spricht. Den man dreimal neu kennenlernt. Poetisch, magisch. In der Ruhe liegt die Kraft. Oscarbait ohne Oscarbait zu sein. Ein Paukenschlag für den afroamerikanischen Teil Hollywoods. Weiter so Barry Jenkins - ich hoffe ihn ereilt keine so durchwachsene bis schlicht enttäuschende Karriere, wie vielen anderen schwarzen Regietalenten vor ihm. Mit "Moonlight" hat er sich jedenfalls ein stabiles Denkmal gesetzt, auf dem man aufbauen kann. Besonders wertvoll im aktuellen Weltgeschehen & seinem Herstellungsland!

Fazit: Kraft, Gefühl, Schönheit - "Moonlight" ist eine Symphonie der ruhigen Töne, die tief unter die Haut geht & Leben verändern kann. Ausnahmefilm!

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