Einfach mal Staatsfeind sein, - und das in Paris, irgendwann einmal Stadt der Liebe genannt.
Autor und Regisseur Bertrand Bonello widmet sich dem omnipräsenten Thema des Terrors auf ungewöhnlich oberflächliche Weise, indem er weder politisch Stellung bezieht, noch den Figuren ein eindeutiges Motiv auf den Weg gibt.
Zehn junge Leute um David strömen in Paris aus, um ein minutiös geplantes Attentat auszuführen. Nach der Aktion trifft sich die Gruppe in einem leeren Luxuskaufhaus, um erst am nächsten Morgen zur Normalität zurückzukehren. Doch mit der ist es schon bald dahin, als nicht alles nach Plan läuft…
In den ersten Minuten wird kaum gesprochen. Wie ein Netz spinnen die jungen Menschen ihre Fäden quer durch die Stadt, parken Autos um, tauschen Nummern aus, besuchen den Sitz des Innenministers und checken im Hotel ein. Dass etwas in der Luft liegt und schon bald in die Luft gejagt werden könnte, offenbart sich durch minimale Gesten der Unsicherheit.
Hier sind beileibe keine Profis am Werk, doch über weite Teile gehen die jungen Menschen erschreckend professionell zu Werke.
Erst nach einer Dreiviertelstunde wird ein vager Kontext gegeben, als man Gespräche probt oder sich nach dem xten Glas Wodka von Ambient Techno treiben lässt. Es schimmert eine Orientierungslosigkeit durch, die hinsichtlich einer hohen Arbeitslosenzahl unter Jugendlichen in Frankreich verständlich scheint, oder wie jemand später sinngemäß meint: Das musste irgendwann einmal passieren.
Das Treiben im Kaufhaus weist unweigerlich Parallelen zu „Dawn of the Dead“ auf, statt Zombies gibt es ein wenig Paranoia und natürlich den kollektiven Konsumrausch. Die eigentliche Angepasstheit der jungen Attentäter offenbart sich spätestens, als sie wie beinahe zufällig vor Schaufensterpuppen stehen, die haargenau ihre Kleidung repräsentieren.
Leider versäumt Bonelli es, in diesem Mittelteil für Abwechslung, als auch für etwas mehr Profil der Individuen zu sorgen, denn erst im finalen Akt nimmt das Treiben wieder etwas Fahrt auf.
Bonelli selbst steuerte den Score bei, der zumeist aus treibenden Bässen besteht, zudem sorgt die musikalische Untermalung für die eine oder andere makabere Einlage, wie etwa bei Blondies „Call Me“ oder dem Titelthema zur Serie „Die Zwei“.
Handwerklich ist überdies kaum etwas anzukreiden, obgleich der Split Screen ein wenig überstrapaziert wird. Speziell der gelungene Schnitt sorgt zum Finale für einige duale Perspektiven, während die Kamera zuweilen ein wenig statisch anmutet, was den teils nicht professionellen Mimen kaum entgegenkommt.
Zwar gerät das Treiben nur bedingt spannend und einige Aktionen sind so dumm, dass sie nicht mehr mit purer Gedankenlosigkeit abgetan werden können, doch das interessante Konzept und die bewusste Zurückhaltung etwaiger Hintergründe regen durchaus zum Nachdenken an.
7 von 10