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London 1948: Eine Angestellte, gespielt von Rosamund Pike, lernt einen Schwarzafrikaner, gespielt von David Oyelowo, kennen, in den sie sich Hals über Kopf verliebt. Sie heiraten, obwohl der Widerstand der Familien gegen diese Ehe nur das geringste Problem ist. Der künftige Gatte ist nämlich ein Prinz aus dem britischen Protektorat Betschuanaland, dem heutigen Botswana, und dürfte den eigenen Stamm gegen sich aufbringen, wenn er eine weiße Britin heiratet. Außerdem erregen sie nicht zuletzt den Unmut des britischen Königreichs, das seine guten Beziehungen zum südafrikanischen Apartheitsregime gefährdet sieht, wenn das unter britischer Kontrolle stehende Nachbarland von einem gemischtrassigen Paar regiert wird.

Botswana ist eine echte Erfolgsgeschichte auf einem Kontinent, auf dem Erfolgsgeschichten eher rar sind. 1885 nach einer Einigung mit den Briten zu deren Protektorat erklärt, um sich vor den benachbarten Buren schützen zu können und 1966 nach demokratischen Wahlen in die Unabhängigkeit entlassen, gilt Botswana heute als Stabilitätsanker im südlichen Afrika mit geringer Korruption und einem höheren Index der menschlichen Entwicklung als Südafrika oder Ägypten. Wesentlich zu verdanken ist dies Seretse Khama, dem Führer der ethnischen Gruppe der Bamangwato und erstem Staatspräsidenten, der den Reichtum seines Landes an Rohstoffen nutzte, um dieses wirtschaftlich voran zu bringen. Khamas Erfolgsgeschichte wiederum wäre fast an seiner Ehe mit einer weißen Frau gescheitert, mit der sich der eigene Stamm zunächst nicht anfreunden wollte, die vor allem aber auch für die Briten ein Problem war, die Unruhen in ihrem Protektorat unterbinden und das Apartheitsregime im benachbarten Südafrika nicht durch ein gemischtrassiges Königspaar verärgern wollten. Eine Geschichte, die für eine filmische Nacherzählung kaum besser geeignet sein könnte.

Die britische Regisseurin Amma Asante konzentriert sich dabei vor allem auf die Beziehung von Khama mit Ruth Williams, die gegen alle Widerstände heirateten und gibt dem Film somit den Anstrich einer Romanze. Sie widmet sich aber auch ausführlich den interessanten historischen Fakten, thematisiert die Kolonialpolitik des zunehmend auseinanderbrechenden britischen Empires, prangert die Rassentrennung an und thematisiert auch die Stammesverhältnisse im damaligen britischen Protektorat Betschuanaland. Das gestaltet die zügig erzählte Geschichte für den interessierten Zuschauer durchaus unterhaltsam, wenngleich eine gewisse Schwarz-Weiß-Malerei augenfällig ist. Bezeichnend ist da beispielsweise, dass der gewohnt unsympathische und als Draco Malfoy aus den „Harry Potter“-Filmen bekannte Tom Felton einen der britischen Kolonialbeamten verkörpert.

Dass „A United Kingdom“ dabei keinerlei epischen Atem entfaltet, ist dem Umstand geschuldet, dass es sich bei der Regisseurin um eine solide aber keine begnadete Geschichtenerzählerin handelt, da sie die emotionalen Höhepunkte nicht immer treffsicher setzt und sich allerhand dramaturgische Brüche einschleichen. Vor allem erscheint die anfängliche Romanze lieblos und schnell dahinerzählt, die großen Emotionen fehlen aber auch im weiteren Verlauf. Darüber hinaus macht die Regisseurin visuell zu wenig aus den exotischen Schauplätzen in Afrika und aus der durchaus opulenten wie nostalgischen Ausstattung. Einzig der getragene und emotionale Score kann auf handwerklicher Ebene voll überzeugen. Darstellerisch gibt es dagegen nichts zu beanstanden: David Oyelowo, der in „Selma“ Nelson Mandela verkörperte und sein Talent als mitreißender und charismatischer Redner offenbarte, könnte somit auch in der Rolle des Seretse Khama kaum besser besetzt sein, während die in ihrer Paraderolle „Gone Girl“ so berechnend und unterkühlt agierende Rosamund Pike hier eine sehr gefühlvolle und glaubhafte Darbietung zeigt.

Fazit:
Das Potential der wahren Begebenheit und der beiden überzeugenden Hauptdarsteller kann Regisseurin Amma Asante, deren Erzählung nur stellenweise mitreißt und keinerlei epischen Atem entfaltet, nur teilweise ausschöpfen. Was hätte ein begnadeter Geschichtenerzähler wie Clint Eastwood wohl aus „A United Kingdom“ herausgeholt?

60 %

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