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Die Romanreihe von Dan Wells erinnert in vielen Belangen an Geschichten von Stephen King und tatsächlich ist es Regisseur Billy O'Brien gelungen, seinen Film so zu gestalten, dass er sich phasenweise wie eine King-Verfilmung anfühlt.

Der fünfzehnjährige John (Max Records) lebt zusammen mit seine Mutter im beschaulichen Ort Clayton, wo sie ein Bestattungsunternehmen leidet, in dem John in seiner Freizeit gerne aushilft. Seine Angst zum Serienkiller zu mutieren nimmt allerdings gefährliche Züge an, als in Clayton einige Leichen mit entnommenen Organen gefunden werden…

O'Briens Werk ist die Verfilmung des ersten Romans, der sich mit John Wayne Cleaver beschäftigt. Records erweist sich als Idealbesetzung für den Außenseiter, der viel über Serienmörder nachforscht und generell einen Hang zum Morbiden entwickelt hat. Deshalb hat er sich strikte Regeln auferlegt, welche unter anderem besagen, den Kontakt zu Tieren zu unterlassen, bei Provokationen mit Komplimenten zu kontern und niemanden längere Zeit zu beobachten oder gar zu verfolgen. Gleich mehrere Regeln bricht der Teenager, als er dem Serienkiller auf die Spur zu kommen scheint.

Obgleich John ein schwer zugänglicher Charakter ist, erscheint er innerhalb kürzester Zeit sympathisch, da er keine unnötigen Worte verliert und mancher Blick ohnehin mehr aussagt, als leeres Geschwätz. Beim Katz-und-Maus-Spiel mit dem vermeintlichen Killer entwickelt er mutige Herangehensweisen und riskiert im Verlauf relativ viel. Zwar attestiert ihm sein Therapeut soziopathische Züge, doch diese widerlegt John nach und nach, zumal es zum Finale nicht nur um sein eigenes Leben geht.

Auf atmosphärischer Ebene punktet vor allem die Kleinstadt in spätherbstlicher und winterlicher Ausstattung, während der Score mit latent bedrohlichen Klängen daherkommt, die jedoch zurückhaltend, beinahe wie im Dunkeln schlummernd eingesetzt werden. Die leicht körnigen Bilder und der Verzicht auf technischen Schnickschnack untermauern indes eine leicht nostalgische Note, was der insgesamt ruhigen Erzählweise zugute kommt.

Für eine FSK16 wird erstaunlich explizit an Leichen herumgedoktert und es werden auch mal Organe entnommen, wogegen diverse Morde meistens aus der Distanz eingebunden sind und kaum Details preisgeben. Leider entfällt das Ratespiel um den Killer, welcher bereits im ersten Drittel offenbart wird. Dessen Motive bleiben hingegen bis fast zum Schluss im Dunkeln, was ein Mitfiebern durchaus gewährleistet.

Das vergleichsweise geringe Budget nutzt O'Brien geschickt, indem er sein Werk einen deutlichen Retro-Look verpasst und dennoch genügend Detailverleibtheit in die wenigen Spezialeffekte einfließen lässt. Innerhalb der 104 Minuten Laufzeit sind keine nennenswerten Durchhänger zu verzeichnen und auch wenn zu keiner Zeit Hochspannung angesagt ist, unterhält der Streifen grundsolide.
7 von 10

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