Review

kurz angerissen*

Wäre da nicht der Einsatz von Szenen mit Smartphones, GPS-Ortung, dem 2015er Videospiel „The Order: 1886“ oder Christopher Lloyds offensichtlich fortgeschrittenes Alter, „I Am Not A Serial Killer“ würde die perfekte Illusion erzeugen, eine Produktion aus den frühen 90er Jahren zu sein. Die mit Körnung und ausgeblichenen Farben versehene Optik, leere Straßen und Wasserdampf ausstoßende Fabriken, ein Zeitrahmen zwischen Halloween und Hochwinter mit Relikten aus jener Zeit, nicht zuletzt die Coming-Of-Age-Thematik, all das trägt zu einem anachronistischen Empfinden bei, mit dem diese psychologisch doppelbödige, metaphorisch verkleidete Kleinstadterzählung ausgestattet ist.

Dass man auch feine Details bis hin zu Dialogabläufen aus der Romanvorlage entnommen hat, sieht man der feinfühligen Inszenierung Billy O'Briens an. Die Umwelt der Hauptfigur wird zum Teil ihrer Entwicklung, in kleinen Schritten wagt sich das Drehbuch an eine Erkundung der aufkeimenden Soziopathie des Teenagers (den Max Records angenehm unaufdringlich spielt), die zwar manches Klischee aufgreift (Bullying in der Schule), diese aber in der Regel mit einer originellen Pointe abschließt.

Vergleicht man mit der ähnlich gelagerten Indie-Produktion „Found“, der trotz anderer Schwerpunktsetzung (Splatter, expliziter Horror) bei vielen Motiven und allgemein bei der Atmosphäre als Vergleichsobjekt dient, gelingt die metaphorische Übertragung des Bösen auf ein externes Monster vielleicht nicht im gleichen Maß. Christopher Lloyd ist zweifellos stark in seiner recht ungewöhnlichen Rolle und der an „Fenster zum Hof“ und Ableger erinnernde Beobachtungseffekt führt zu einigen wohlig-schaurigen Suspense-Momenten, die Anknüpfpunkte zur Psyche des Jungen bleiben jedoch etwas diffus, was durch das Ende, dessen Spezialeffekte handwerklich der Kreatur aus dem deutschen Genrebeitrag „Der Nachtmahr“ gleichen, nicht gerade besser wird.

Trotzdem bewahrt „I Am Not A Serial Killer“ durchweg das Interesse an seiner Hauptfigur ebenso wie an den mysteriösen Vorgängen in der Stadt, ob man diese nun vordergründig als Monstertreiben betrachten mag oder als Manifestation der Gedankengänge eines angehenden Serienkillers.

*weitere Informationen: siehe Profil

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