Review
von Leimbacher-Mario
Faszination des Bösen
Die Pubertät ist eine verwirrende Zeit. Unser Titel“held“ John aus dem Indie-Grusel-Darling „I Am Not A Serial Killer“ würde mir da sicher nicht widersprechen, zeigt er doch eindeutig soziopathische Züge, lässt diese auch (halbherzig) behandeln und fühlt sich vom Bösen, von Serienmördern, von Blut und Gedärmen magisch angezogen. Kein Wunder also, dass er neugierig ist, als eines Tages in seiner Stadt grausige Morde passieren, und es nicht lassen kann, tiefer zu forschen. Bis es vielleicht schon zu spät ist? Ein angehender Psychopath als Retter einer Kleinstadt? Oder wird er gar in die Ausbildung geschickt? Kann er gegen die sich breit machende Dunkelheit, in sich selbst sowie in seiner Stadt, bestehen? Und was für ein Mensch zerreißt seine Opfer wie ein wildes Tier?
„I Am Not A Serial Killer“ sieht wunderschön grieselig 80s aus, fast wie ein Baby aus „Stranger Things“ und „Super Dark Times“, sein gemächlicher Aufbau stört kaum und wirkt positiv altmodisch. Die ganze Produktion passt, vom eingängigen Soundtrack bis zu einem tollen, jungen Leading Man und einem noch immer faszinierenden Christopher Lloyd, angsteinglössend und zerbrechlich zugleich. Die herbstlichen und winterlichen Locations wirken sehr moody und passend zum düsteren Thema, von dem sich nicht nur der Protagonist sondern sicher auch viele Zuschauer solcher Genrefilme hingezogen fühlen. Das muss nicht immer schockierend und böse sein, was dieser ungewöhnliche Coming-of-Ausflug eindringlich beweist. Dabei schlägt er noch ein paar überraschende Haken und hält durchgehend bei Laune. Bis zu einem Finale, das mich etwas ratlos und stirnrunzelnd hinterlassen hat. Doch bis dahin war das fast perfekt. Eine ungewöhnliche, sehr spezielle und lobenswerte Kombination. Stephen King als Hipster-Kleinod.
Fazit: We Need To Talk About John and This Monster... Langer Titel, viel Raum zur Interpretation, cooler Style, dichte Atmo und toll gespielt. Ein Horrordrama, das es mir sehr angetan hat. Retro und kreativ schließen sich nicht aus. Lässiges Teil!