Review

Um es dem Original von 1963 als auch dem Remake gleich zu tun, vorab eine Warnung:
Als erster Splatterfilm enthielt der Klassiker von Herschell Gordon Lewis natürlich einige Gewalteinlagen. Der Neuaufguss enthält zwar auch einige, aber das Label mit dem Namen des zweiten Römischen Kaisers vertreibt eine Version, in der rund drei Minuten fehlen.
Und in drei Minuten können sich verdammt viele Grausamkeiten abspielen.

Fuad Ramses (Robert Rusler), seine Frau Louise (Caroline Williams) und Tochter Penny (Sophie Monk) sind von den Staaten an den Rand von Paris gezogen, wo sie ein kleines amerikanisches Restaurant führen, welches jedoch nicht allzu gut läuft. Deshalb arbeitet Fuad zusätzlich als Nachtwächter in einem Museum, in dem ihm eines Nachts die Gestalt der Liebesgöttin Ishtar (Sadie Katz) erscheint. Um der Göttin die volle Lebenskraft zu verleihen, muss Fuad ihr ein Festmahl bereiten, was recht gut im Einklang mit einer neuen, wenn auch wenig konventionellen Speisekarte steht…

Original und Remake im Direktvergleich hieße, Äpfel mit Birnen zu vergleichen, was schon aufgrund völlig veränderter Sehgewohnheiten in ganz unterschiedliche Richtungen tendiert.
Brachte Lewis die Schlachtplatte seinerzeit auf nur 67 Minuten, bringt Marcel Walz sein Treiben auf satte 96 Minuten. Trotz einiger inhaltlicher Abänderungen zum Original bietet die erste halbe Stunde zuviel Leerlauf und auch danach wird es nur leidlich spannend.

Allerdings hat sich der deutsche Regisseur auf handwerklicher Ebene zu einer ernst zu nehmenden Größe gemausert, die sich unlängst vom lange anhaftenden Amateurniveau gelöst hat. Kamera und Schnitt arbeiten tadellos und obgleich die Ausleuchtung zuweilen etwas suboptimal ausfällt, vermag der Score in seinen starken Momenten grundsolide Akzente zu setzen. Zudem sind die wesentlichen Mimen sehr gut besetzt, speziell Robert Rusler („Nightmare 2“) performt mit viel Charisma und geht in der Rolle des immer obsessiver erscheinenden Dieners der Göttin voll in seiner Rolle auf.

Trotz sichtlicher Bemühungen um Tiefgang und Auflockerungen bleibt die Geschichte reichlich dünn und vorhersehbar. Zwar mischt ein junger Polizist und gleichzeitiges Love Interest mit und potenzielle Opfer werden vielleicht nicht beim ersten Versuch an Land gezogen, doch bis zum leicht surreal anmutenden Showdown, der aufgrund einer anberaumten Fortsetzung etwas abrupt endet, sind weder sonderlich viel Spannung, noch eine markante Atmosphäre auszumachen.

Hinsichtlich der durchweg gelungenen Splattereinlagen ist dies selbstredend schade, zumal selbstverständlich, - das gebietet nicht nur der gute Ton, komplett ohne CGI gearbeitet wurde.
Von Peitschenhieben mit klaffenden Wunden, Kehlenschnitt, einer abgebissenen Zunge, abgetrenntem Schwanz, Halsbiss und halb entnommener Schädeldecke können sich die Effekte durch die Bank sehen lassen.

Audio-visuell untermauert Walz, dass er längst nicht mehr zum Amateurfilmerbereich zählt, während sich die professionellen Mimen durch die Bank bezahlt machen.
Mit kleineren Verbeugungen vor dem Original, einschließlich eines letzten Kurzauftritts von Lewis selbst versehen, wird die Chose insgesamt zu behäbig vorgetragen, erzählerisch wird kein Risiko eingegangen, was deutlich zu Lasten der Spannung geht.
Einige gute Ansätze, doch unterm Strich nicht wirklich mitreißend.
5,5 von 10

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