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1963 veröffentlichten Regisseur Herrschell Gordon Lewis und Produzent David F. Friedman den ersten offiziellen Splatterfilm mit dem Titel Blood Feast, der damals für gehöriges Aufsehen sorgte. Und obwohl der Produktion keinerlei künstlerischer Anspruch zugeschrieben wurde, veränderte er die Produktionsweise und den Goregehalt in Filmen einer nachfolgenden Generation von Filmemachern. Mit handwerklich soliden Techniken wurde blutige Special-Effects im Laufe der Zeit Standard bei der gepflegten filmischen Unterhaltung für Erwachsene. Selbst das geringe Budget und die mit einfachsten Mitteln erstellten Szenen konnten dem Erfolg und der Bekanntheit dieses ältesten auf der 74 Titel umfassenden Video Nasties Liste keinen Abbruch tun.

Das gleichnamige Remake wurde mit Einverständnis und Unterstützung durch H.G.Lewis (Cameo im Remake inklusive), von Regisseur Marcel Walz in Szene gesetzt. Als Independentproduktion mit mittelmäßigem Budget gelang es Walz in düsteren Bildern eine moderne Version ohne CGI-Effekte zu erzählen. Die Special-FX sind blutig und manchmal etwas übertrieben, ohne jedoch billig zu wirken.



Die Hommage ans Original beginnt mit der Warnung des Narrators aus dem Off: "Ladies and Gentlemen, you're about to witness a motion picture that ist violent and extremely graphic..." und einem metallisch verstörenden Sound, gemixt mit verzerrten Schreien, während im Hintergrund ein nacktes, gefesseltes Pärchen panisch um sich blickt. 

Die Dialoge sind einfach, treiben aber die Geschichte voran und erklären die Beziehungen bzw Motivation der einzelnen Charaktere. Aber mal ehrlich, wer erwartet sich von einem Indie-Horrorfilm schon hochtrabende Gespräche?

Absolut stimmig sind die Locations, wie das American Diner. Die spärliche Beleuchtung sorgt für prägnante Spots und erzeugt eine bedrückende Spannung. Getragen wird der gesamte Film vom glaubhaften Schauspiel der Hauptdarsteller Robert Rusler als Fuad Ramses, Caroline Williams als seine Frau Louise und Sophie Monk als deren Tochter Penny. Sadie Katz als Göttin Ishtar wirkt unnahbar und trägt mit dämonischer Bosheit zur demoralisierenden Stimmung bei.



Robert Rusler, bekannt aus L.I.S.A. - Der helle Wahnsinn oder Nightmare on Elm Street 2, spielt den ägyptischstämmigen American Diner Besitzer Fuad Ramses in Paris, der aus wirtschaftlichen Gründen die Nachtschicht in einem Museum mit ägyptischen Ausstellungsstücken als Zweitjob übernehmen musste. Die finanziellen Probleme sind auch ausschlaggebend für seine angeknackste Psyche, weshalb er Medikamente schlucken sollte. Der obsessive Wahn allerdings lässt ihm in seinen Nachtschichten die Göttin Ishtar erscheinen, die ihm aufträgt ein blutiges Festmahl für ihre Wiederkehr zusammenzustellen. Souverän und überzeugend spielt Rusler den Fuad, auf der Suche nach weiteren Opfern und niemals zweifelnd lässt er den Zuschauer an seinem persönlichen Dilemma teilhaben.

Caroline Williams spielte bereits in zahlreichen Horrorfilmen mit (The Texas Chainsaw Massacre 2, Hatchet III oder Seed 2) und weiss ihren Charakter genau einzuordnen, ohne zu viel Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Louise ist die treue Ehefrau, die sich zwar Sorgen um die Zukunft ihrer Tochter und des Diners macht, aber ihren Ehemann bei seinen Entscheidungen freiwillig unterstützt.



Sophie Monk dürfte vielen Filmsehern als Andy aus Date Movie (2006) ein Begriff sein, in dem sie sexy lasziv in einem Badeanzug mit einem Burger bewaffnet eine Limousine wäscht. Weiters war sie an der Seite von Adam Sandler in Klick (2006) zu sehen oder in The Hills Run Red (2009). Der Tochter Penny verleiht sie anfangs einerseits als gefestigte Studentin mit sozialem Umfeld einen starken Touch, der allerdings im Laufe der Zeit immer mehr bröselt und eine angeschlagene, zweifelnde junge Frau zurücklässt.

Fazit: Weit entfernt von den Anfängen macht es Spass die Entwicklung des Marcel Walz mitzuerleben, bekommt er mal etwas Geld zur Produktion sieht man enorme Fortschritte. Blood Feast (2016) ist eine Hommage ans Original, nur das Konzept des Festmahls erinnert an dieses. Der Rest ist ein unterhaltsamer Horrorfilm, am besten genossen mit gleichgesinnten Freunden, der sich vor anderen Genrevertretern nicht zu verstecken braucht.

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