DDR-Horror könnte ein neues Subgenre des deutschen Independentfilms werden, - genug Potential ist da durchaus vorhanden, vor allem hinsichtlich verwaister Lokalitäten mit düsteren Hintergrundgeschichten. Regisseur René Rausch konnte für seinen Slasher eine besonders heruntergekommene Anlage ausfindig machen, welche allerdings nur bedingt ausgereizt wird.
Die Braunschweiger Pädagogen Marius und Linda haben eine alte Immobilie in Walsleben ausfindig gemacht und fahren mit ihrer Freundin Marie dorthin, um sich vor Ort mit der Maklerin zu treffen. Als sie das ehemalige Kinderheim inspizieren, werden sie mit einer lokalen Legende konfrontiert…
Mit der knackigen Laufzeit von nur 68 Minuten wurde im Prinzip alles richtig gemacht, nur dauert es zu lange, bis in dem scheinbar verwaisten Gebäude ein wenig das Tempo angezogen wird. Zwar fallen die Figuren einigermaßen sympathisch aus, doch diese labern im ersten Drittel zuviel um den heißen Brei herum, während düstere Vorzeichen ausbleiben und der Horror im Grunde erst durch einen Hausmeister eingeläutet wird, der sich fälschlicherweise seines Jobs beraubt sieht. Als die Bedrohung in Form einer geisterhaften jungen Frau einsetzt, kommt zumindest ansatzweise Spannung auf.
Die Kamera arbeitet recht passabel, der Schnitt ist zuweilen effektiv und fördert eine gewisse Dynamik und auch der absolut taugliche Score ist sehr gut abgestimmt.
Storytechnisch ist bis auf einen minimalen finalen Twist nicht viel mehr zu erwarten als der übliche Ablauf beim Slasher: Erst die Nebenfiguren, dann eine Hatz mit den Hauptakteuren und eine finale Konfrontation zum Showdown. Dazwischen bleiben die Hintergründe in Form alter Archivaufnahmen etwas zu vage, wobei diese durchaus ein DDR-Feeling aufkommen lasen.
Indes dürften Splatterfreunde ein wenig in die Röhre schauen, denn bis auf einen kurz angedeuteten Kehlenschnitt und Messer im Bauch halten sich die Gewalteinlagen merklich zurück und finden überwiegend im Off statt. Auch wirklich spannende Einlagen halten sich in Grenzen, während die Auseinandersetzungen zwischen Gut und Böse passabel ausfallen, zumal die Besetzung als treffend zu bezeichnen ist und darstellerisch überwiegend mehr als nur Laienniveau geliefert wird.
Für das sichtlich geringe Budget geht der Streifen fast schon in Ordnung, wirklich mitreißend fällt das Geschehen jedoch nicht aus und die Atmosphäre des verfallenden Gebäudes kaschiert nur zum Teil die vorhersehbaren Ereignisse. Insofern sollte man nicht mehr als einen okayen Slasher mit typisch (deutschen) Merkmalen aus dem Indie-Bereich erwarten, der in einigen Belangen überzeugt, im Gesamtbild jedoch nicht überdurchschnittlich unterhält.
4,5 von 10