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Als einer der beständigsten Action-Darsteller der letzten Jahre hat sich Scott Adkins auch aufgrund der Sympathie, der Fähigkeiten selber und der Solidität in den Arbeiten, die in der Trostlosigkeit des Genres ein gesundes Mittelmaß zeigen, eine treue Fangemeinde erarbeitet, die ihn auf den Weg der weiteren Karriere begleitet und jedem neuen Projekt mit Erwartungen entgegen sieht. Ein stets verlässlicher Recke, einsilbig, sportlich, maskulin attraktiv und dennoch Kumpeltyp, der früher aufsteht als der Wecker klingelt und dann erstmal sein ausgiebiges Trainingsprogramm absolviert.
Eliminators dabei als vergleichsweise ungewöhnliches Projekt, dass dennoch eng in der Gattung der direct to video - Tätigkeiten verwurzelt bleibt, und in seinen 90min eine stramme Hetzjagd quer durch das dunkeltrübe London, die Geschichte vom Jäger und Gejagten, von Katz und Maus, von Hase und Igel in den Mittelpunkt seiner Simplizität am unteren Rande der Mittelschicht stellt:

Der als Parkplatzwächter Nachts arbeitende Thomas McKenzie [ Scott Adkins ] bekommt eines Tages zuhause 'Besuch' von drei Schlägertypen, die ihn ohne Vorwarnung mit Baseballschlägern angreifen und seine kleine Tochter Carly [ Lily Ann Stubbs ] als Geisel nehmen. Als die drei Verbrecher merken, dass sie fälschlicherweise im falschen Haus gelandet sind und eben keine Drogen an Land ziehen können, und die beiden unfreiwilligen Mitwisser töten wollen, beseitigt der ehemals als undercover tätige Federal Agent die Kriminellen kurz vor der Ohnmacht per Kopfschuss. Schwerverletzt im Krankenhaus aufwachend, sieht sich Thomas aufgrund der Nachrichtenlage nicht nur enttarnt, sondern auch von der Polizei unter Führung von Detective Inspector Quinn [ Nick Nevern ] verfolgt und seine kleine Tochter in den Händen des Sozialamtes, unter dort allerdings liebevoller Aufsicht von Stacey Miller [ Ty Glaser ]. Als der amerikanische Waffen- und Drogenhändler Charles Cooper [ James Cosmo ] von der Verhaftung und Aufdeckung Kunde erhält, setzt er mit seinen besten Killer Bishop [ Stu Bennett ] auf an, der nunmehr auf der Flucht nur noch Hilfe von seinem alten Kollegen Ray [ Dan Caltagione ] erhofft.

In der Prämisse, im Überfall im trauten Heim erinnert der Film noch an Adkins' Universal Soldier: Day of Reckoning, der dortigen Ausgangsidee, um sich alsbald eher in einen Statham, der noch leicht größeren Variante zu verwandeln und dort die Stärken zu zeigen und besonders durch das Tempo zu dominieren. Wenig Anlauf und nur wenig Zwischenreden werden gehalten, was dem Film in seiner inszenatorisch braven Durchschnittlichkeit und den manchen schauspielerischen Ausfällen seitens der Nebenrollen dennoch problemlos am Leben erhält; ähnlich wie der Verfolgte und sein Verfolger wird von der Regie allein die Bewegung angestrebt und alle naselang eine blutige Konfrontation und so viel Kinetik und dennoch vergleichsweise Realismus, optisch sowiso am Rande des Existenzminimums an den Tag gelegt.  

Interessant dabei ist weniger der Vollzug in der bodenständigen hit-and-run Choreographie und der Montage, die allerdings auch auf jeden Fall solide bis sich erfreulich steigernd ist, sondern die oftmalige Ausgangslage, die wie auch in der ersten Szene ein Eindringen in den geschützten Raum und dort die versuchte Abwehr des Bedrohten ist. Außerdem werden die Plätze vermehrt eng und knapp in der Ausdehnung gehalten, wodurch selten ein Ausweichen möglich und die Annahme der jeweiligen Gefahr, das Entgegenstellen gegen den Angriff statt dem Entfliehen nötig ist. So wird erst in das Ein-Familien-Haus eingebrochen, mit gezückter Waffe in ein gleichsam gedrungenes Pub einmarschiert, zwei Geschäftspartner beim direkten Gegenüber im Waffendeal mit kreativen Differenzen erschossen, ein Flüchtiger mit drei Mann im Klinikflur gestellt, und später durch ebensolch enge Bürogänge und Treppenhäuser gejagt, aus dem das Entkommen auch immer nur mit wenigen Sekunden Vorsprung möglich und so nicht wirklich die Erlösung ist. Selbst später in freier Wildbahn sind die Mittel und Ausweichmöglichkeiten eingeschränkt, bietet die Hauptstadt trotz seines nächtlichen Trubels und der theoretisch metropolenhaften Weite sowie verschiedener Verkehrsmöglichkeiten nicht wirklich mehr Gefilde zur Entfaltung – das 'Eingesperrtsein' in der Kabine der Schwebebahn, die sich trotz enormen Zeitdrucks nicht beschleunigen lässt und aus der bis zur Ankunft aufgrund der luftigen Höhe auch kein Entrinnen machbar ist – , sondern wird nur zu einem weiteren Spielplatz dieses Kesseltreibens, dass keine Pausen zulässt und niemals ausgesetzt ist.

Viel Bewegungsfreude also, was angesichts des darbenden Genres mit seinen schwindenden Renditen, der verkürzten Drehzeit und dem stramm heruntergeschraubten Budget hier tatsächlich doch eine kleine Überraschung und trotz seiner gewissen Einfallslosigkeit in der Umsetzung durch Regisseur James Nunn, der gewiss kein Fiorentine oder Hyams ist und auch kein Kaufmann, und vielleicht noch nicht einmal ein Reiné, wenn man die letzten Filmemacher für Adkins mal Revue passieren lässt. Nunn, der zuvor den wenig gnädig aufgenommenen Green Street Hooligans 3: Underground mit seinem hiesigen Star gestemmt hat und durch die jetzige Verbindung mit den produzierenden WWE Studios auch gleich den Job für den kommenden The Marine 5: Battleground an Land gezogen und so eine weitere für die entsprechende Klientel sicherlich beachtete Tätigkeit ergriffen hat, verzichtet hier weitgehend auf visuelles Geschmäckle und überhaupt kreative Ideen, zeichnet sich aber zumindest durch eine Ruhe und Übersichtlichkeit in den Actionszenen aus, in denen nicht unnötigerweise selbst Hektik hereingebracht wird, sondern das Geschehen (wie ein heftiges Feuergefecht in einer Sozialbauwohnung, die vom Munitionshagel geradezu zersiebt wird und der Pulverrauch durch die Hunderten Einschusslöcher in die klamme Dunkelheit nach draußen entweicht) dankenweise und lobenswürdig auch in längeren Einstellungen bebildert und so wünschenswert für den Zuschauer präsentiert.

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