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Scott Adkins ist derzeit ein fleißiger Actionarbeiter, haut neben Gastrollen in Werken wie „Criminal“ und „Doctor Strange“, auch Reißer wie „Jarhead 3“ und „Hard Target 2“ in schneller Folge heraus, zu denen sich der von den WWE-Studios finanzierte „Eliminators“ gesellt.
Wenn Actionstars Durchschnittstypen spielen, dann entweder solche, die über sich hinauswachsen, oder solche, hinter deren Fassade mehr steckt als der erste Blick zeigt. Letzteres trifft auf den Londoner Michael Parker (Scott Adkins) zu: Ein Wachmann von Beruf, Witwer und alleinerziehender Vater einer kleinen Tochter, Carly (Lily Ann Stubbs). Doch als drei Räuber die Parkers auf der Suche nach Drogen überfallen und als die beiden als Zeugen loswerden wollen, erlegt Michael das Trio fachgerecht und verhindert so, dass sich die artverwandte Eröffnungsszene des Adkins-Actionfilms „Universal Soldier: Day of Reckoning“ wiederholt.
Bei dieser Konstruktion rascheln freilich die Drehbuchseiten, denn mag man den Irrtum der Räuber noch glauben, so verwundert es, dass ihr Chef die Maske abnimmt, so identifizierbar wird und damit die folgenden Ereignisse in Gang setzt. Auch nur begrenzt glaubwürdig ist, dass die Polizei den bei der Aktion schwer verletzten Michael trotz offensichtlicher Notwehrsituation ans Krankenhausbett kettet und als Verdächtigen behandelt. Michael passiert allerdings das, was schon anderen Helden wider Willen (wie etwa Tom Stall in „A History of Violence“) passiert ist: Die Medien verbreiten sein Bild, was wiederum Leute aus Michaels Vergangenheit aufscheucht.

Michael heißt nämlich eigentlich Thomas McKenzie, war früherer amerikanischer FBI-Agent und sammelte bei seiner Undercoverarbeit wertvolle Beweise gegen den Gangsterboss und Waffenhändler Charles Cooper (James Cosmo). Der wiederum setzt den Killer Bishop (Stu Bennett) auf Thomas an…
Wenn die WWE einen Film finanziert, dann wollen sie auch meist einen ihrer Wrestler promoten, in diesem Falle den unter dem Kampfnamen Wade Barrett bekannten Stu Bennett. Mit seiner beeindruckenden Körpergröße und seinen drahtigen, nicht zu exzessiven Muskeln passt der auch gut in die Rolle des Profikillers und ist auch schauspielerisch ein echt okayer Bösewicht. Nur leider braucht dieser Film nicht nur einen echt okayen, sondern einen wahrhaft charismatischen Bösewicht, da es vor allem um das Duell zweier Männer geht. Die meisten Nebendarsteller sind eh nur bessere Stichwortgeber, abgesehen von Daniel Caltagirone als Agentenkumpel Thomas‘, der aber nie mehr als ein routiniertes Nebenrollengesicht bleibt, und James Cosmo, der zwar schon eine angemessen fiese Ausstrahlung hat, aber wenig zum Zuge kommt. So dominiert Scott Adkins den Film fast schon zu sehr, in dem er mehr von seiner schauspielerischen Reichweite zeigen kann: Gerade den trauernden Witwer, der durch das Bildermalen seiner Tochter wieder an seinen Verlust erinnert wird, verkörpert er sehr überzeugend.
Jedoch setzt „Eliminators“ weniger auf Dramaelemente als etwa „Undisputed 3“, sondern ist mehr ein gradliniges B-Picture, in dem sich zwei Elitekämpfer duellieren. Der verletzte Thomas ist meist in der Defensive, Bishop meist in der Offensive, was Raum für eine Hatz mit wenig Subplotfett auf dem Rippen bietet. Auch die hauptsächliche Story ist schlank gehalten, einzig und allein eine Enthüllung bezüglich der gemeinsamen Vergangenheit Thomas‘ und Cosmos beschert dem Zuschauer noch ein kleines Aha-Erlebnis, aber es ändert wenig an der Stoßrichtung des Plots, den Regisseur James Nunn, der mit seinem Star schon „Hooligans 3“ drehte, mit einigem Tempo abspult.

Dabei gelingen ihm auch durchaus spannende Passagen, etwa wenn Thomas in einer Seilbahnkabine auf das Ende der Fahrt warten muss und sowohl Freunde als Verfolger zu seinem Bestimmungsort eilen, ein wahrhaftiger Wettlauf gegen die Zeit. Leider bleiben solche Szenen in der Minderzahl, zumal das Duell der beiden Eliminatoren viel Potential bei den Nebencharakteren verschenkt: Diese bleiben farblose Stichwortgeber, sodass es kaum einen Effekt auf den Zuschauer hat, wenn Nunn fast seinen gesamten Cast über den Jordan weggehen lässt: Die zahlreichen Tode lassen wahlweise kalt oder nerven in ein, zwei Szenen schon mit ihrer aufgesetzten Kaltschnäuzigkeit.
Einen Overkill an Action bietet „Eliminators“ nicht, aber in regelmäßiger Folge verschiedene Verfolgungsjagden, Shoot-Outs und Fights, bei denen vor allem die beiden Zweikämpfe der Kontrahenten Thomas und Bishop mit schicker Choreographie und übersichtlicher Inszenierung punkten. Letztere schneidet wenig und zeigt vor allem Halbtotalen, welche die körperlichen Fähigkeiten der Kontrahenten optimal einfangen. Ein paar inszenatorische Ideen finden sich auch, etwa wenn sich Thomas in der erwähnten Seilbahnkabine zweier Gegner erwehren muss und die Kamera die Kabine ein wenig umkreist, auch wenn Nunns Film nicht ganz die Dynamik artverwandter Referenzszenen erreicht (man denke an die Taxi-Messerstecherei aus „I Saw the Devil“ oder den Fahrstuhlkampf aus „Captain America: The Winter Soldier“). Generell macht Nunn allerdings das Beste aus dem begrenzten Budget, auch wenn mancher Einschuss und manche Wunde immer noch als CGI-Kreation zu identifizieren ist und das London des Films selbst für nächtliche Verhältnisse von übersichtlich wenigen Statisten bevölkert ist.

„Eliminators“ lässt den Zuschauer mit gemischten Gefühlen zurück. Einerseits ist James Nunns Film ein gradliniger, aufs Wesentliche reduzierter Reißer der B-Klasse, der mit meist gut choreographierter Action und einem starken Scott Adkins in der Hauptrolle aufwartet. Aber diese Meriten können schwer übertünchen, dass die Hetzjagd den Zuschauer seltsam kalt lässt, obwohl die Nebenfiguren in größerer Zahl weggehäckselt werden. Ein einfallsarme, temporeiche, aber nur begrenzt spannende Hatz als Actionsnack für zwischendurch, aber ohne großen Nähr- oder Erinnerungswert.

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