Review

??Von der frühen Ankündigung und den ersten Bildern im durchaus offensiven und dennoch freudig aufgenommene Marketing her eine Art Hybrid aus den drei Erfolgen des indonesischen Kinos der letzten Jahre, und den Faktoren teils vor und teils hinter der Kamera, die verantwortlich genau dafür sind; und dies auch hoffentlich bleiben und eventuell weitere Nachzügler am Inspirieren sind. Gedreht von Kimo Stamboel und Timo Tjahjanto, die zuerst mit dem auch außerhalb des Landes wahrgenommenen (und vermeintlich ersten landeseigenen Slasher) Macabre [ 2009 ] Furore gemacht und danach den gleichsam empfundenen Killers [ 2014 ] nachgeschoben haben, wird hier eine grausige Mär aus Emotionalität und Gewalt, aus Liebe und Mord und Totschlag, aus der Faszination für die Überschreitungen und dem Erleben des Impulsiven erzählt. Auch und gerade mit den Mitteln des Actionfilmes, die zuvor einmalig ebenso in Killers stattgefunden haben, in einer dortig quälenden Flucht- und Befreiungsschlacht eines Einzelnen gegen eine Horde Angreifer, was in seiner Art der Inszenierung, Formulierung und auch der Aussage eines Albtraumes nicht umsonst an The Raid 1 & 2 [ 2011/14  ]erinnert hat und damit fast als erste kurze Bewährungsprobe für diesen Langfilm hier, als vorbereitende Pflicht für die spätere Kür gilt.

Übernommen hat man damals nur die Bilder und die Ideen, hier nun hat man mit Iko Uwais auch die frühere Entdeckung und heutigen Star von Gareth Evans besetzt; beste Voraussetzungen für eine fulminanten Mahr, die die Grenzen auslotet und neue Sehgewohnheiten nicht nur durch die indonesische Herkunft, sondern für das Weltkino allgemein zumindest verspricht. [Abseits von früheren Barry Prima Abenteuern, einigen Arizal-Arbeiten und dem Export Willy Dozan a.k.a. Billy Chong ist deren Kino nicht nur hierzulande im Bewusstein sowieso unbefleckt.] Mehrere Festivalprogrammierungen und die schnelle offizielle Distribution auch in westlichen Kreisen als Zeichen von Appetit, Neugier und Zuspruch derlei Erkenntnisse und Kreationen, für das das Publikum gesättigt durch sonstiges Allerlei, Einerlei und Einheitsbrei schon wieder offen für ist:

Als am Strand ein schwerverletzter junger Mann [ Iko Uwais ] gefunden wird, nimmt ihn die Ärztin Ailin [ Chelsea Islan ] unter ihre Fittiche, und kümmert sich beruflich wie privat um ihn. Da er keinerlei Auskunft zu Herkunft, Grund der Verletzungen, darunter ein Schrapnell im Kopf und seinen Namen geben kann, nennt sie ihn Ishmael, wobei sich der Mann alsbald zumindest an Kleinigkeiten erinnert. Wer die Männer sind, die ihn fortwährend mit aller brutalen Gewalt angreifen und auch Ailin entführen, weiss er allerdings trotzdem nicht, und was Hintermannschaft des Ganzen, der gerade äußerst gewalttätig aus dem gefängnis entflohene Lee [ Sunny Pang ] damit und ihm zu tun hat, erfährt er auch erst zum Schluss der Geschicht'.

Interessanterweise löst Headshot in der Produktion und Fertigstellung den wesentlich länger zuvor unter der Regie und Co-Drehbuch (mit Gareth Evans) von Tjahjant angekündigten The Night Comes For Us, einen proklamierten 'neo-noir hitman thriller' mit auch einem Großteil der Raid - Crew in der Bearbeitung und der Ausführung ab; das dortige Projekt wurde schon nach Rechteverkäufen u.a. auch in die USA September 2014 auf Halt gesetzt und als Graphic Novel umprogrammiert, und nunmehr Wochen und Monate später und ohne große Verlautbarung wieder reaktiviert. Vielmehr ist in der indonesischen Filmlandschaft abseits von den bereits zuvor laufenden Horrorfilmen und Liebeskomödien nicht passiert, gab es mit Tarung: City of the Darkness [ 2011 ], Duel: The Last Choice [ 2014 ] und Garuda 7 [ 2016 ] sowieso nur einige wenige Versuche, von der damaligen Aufregung gerade der westlichen Kreise zu profitieren, sind diese allerdings allesamt unter dem Radar der Aufmerksamkeit gelaufen und auch qualitativ keinerlei weitere Beachtung wert.

Headshot selber hat keinerlei Probleme, Anteilnahme und Zugewandtheit zu finden, ob im Nachhinein die gleiche Anerkennung bis hin zur Ehrerbietung stattfinden wird, ist allerdings noch nicht abzusehen und steht eher in den Sternen, bzw. ist zumindest fraglich, angesichts des durchwachsenen Endergebnisses. Zu hoch die Meßlatte, die scheinbar gesucht wird, obwohl man dann doch eine eher andere Richtung von Genre geht, und dennoch zu dicht an der teilweisen Wiederholung des Gleichen, das hier trotz oder wegen eben der ähnlichen Wahl der Mittel in seinen sechs, sieben Stunt-, Kampf- und Actionszenen qualitativ nicht ganz so und vor allem nicht noch einmal steigernd gelingt. Vor allem die Nähe zu bereits Bekannten in der Inszenierung ist zu repetetiv, eine stets und in diesem Fall auch teils störend unruhigere bis wild entfesselt zitternde Kamera, die den Kontrahenten auflauert und den Bewegungen, Schlägen und Stürzen mitfolgt, ohne stillzustehen, dazu ein längerer, langsamerer Schnittrhythmus, der das eh schon agitierte Blut- und Schmerzgeschehen im Bildkader aufgrund der vielen gleichzeitigen, parallelen und aufeinanderfolgenden Ereignisse beinahe wie im (recht gewalttätigen, die Körper recht malträtierenden) Cartoon einfängt. Bereits die Eröffnungsszene, ein Gefängnismassaker im düsteren Verlies, der Leichenberge hinterlässt und das Blut allgegenwärtig an die Mauern und Gitter spritzt, hat neben all der gebotenen Brutalität auch eine Art absurde (unfreiwillige?) Komik zu bieten, die das rabiate Ereignis, u.a. ein kurzer Schusswechsel zweier sich im engen Gang direkt gegenüberstehender Parteien, bei der keiner mehr überbleibt und sich jeder wechselseitig in Fetzen schiesst, schon beizeiten durch seine Überzeichnung nahezu in die Parodie manövriert.

In der Optik meist schmuddelig bis räudig, blass gelb bis blass schwarz, Slums, Kerker, diffuse Kemenaten und andere übel heruntergekommene Behausungen, von denen selbst das Krankenhaus und die Polizeistation (in einem mittleren Überfall mit Verletzung und Verwüstung wie im Schlachthaus) sowieso recht siffig wirkt und von einer Putzaktion oder gar dem Hochglanz weit entfernt ist. Dazu eine Einfachheit der Handlung, die für einen Actionfilm natürlich willkommen ist, für den kleinen Schritt Richtung Action-Horror ebenso und auch nicht lange braucht, um zum Wesentlichen zu gelangen und dennoch zu involvieren, wobei in Sachen Dramaturgie, Dialog und Schauspiel hier sowieso der erste und einfachste und schnellste Weg genommen wird und die bemühte Eposhaftigkeit bspw. eines The Raid 2 mit seinen (wenigen) Nuanchen und der (gleichso wenigen, aber eben vorhandenen und wirksamen) Subtilität, allerdings auch die verschlingende und verstörende Signal- und Sogwirkung eines bspw. ähnlich gelagerten Universal Soldier - Day of Reckoning komplett abgeht.

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