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Bevor "The Wanderers" in der Bronx einigen Terror verbreiteten, gab es ein paar Jahre zuvor die "Jezebels", eine Mädchengang, ausschließlich aus Schülerinnen bestehend. Regisseur Jack Hill, der Pam Grier mit den Exploitationfilmen "Foxy Brown" und "Coffy - Die Raubkatze" populär machte, lässt kein Klischee aus dem Alltag einer Gang aus.

Als Maggie in das Leben der Gang Silver Daggers tritt, wirft sie das Gefüge rasch durcheinander: Anführerin Lace sieht in ihr rasch die beste Freundin, während ihr Typ Augen für Maggie hat. Ein Spiel mit folgenschweren Intrigen beginnt...

Hill haut nicht allzu sehr auf den Putz und bleibt bei Gewalteinlagen auffallend zurückhaltend, mit Stereotypen hält er sich jedoch nicht zurück. Eine kurze Visite im Knast bindet fette Lesben als Aufseherinnen ein, etwaige Mütter und Väter hängen an der Flasche, sämtliche Cops sind schmierige Sprücheklopfer und im letzten Drittel kommen dunkelhäutige Amazonen zum Einsatz, die ihren eigenen Panzerwagen mitbringen.

Die Dramaturgie der zwischenmenschlichen Beziehungen könnte indes aus dem Fotoroman einer Jugendzeitschrift stammen, da hier alles recht oberflächlich konstruiert erscheint, einige unwahrscheinliche Zufälle abgewickelt werden und das Finale wie der Höhepunkt einer Seifenoper anmutet. Leerlauf entsteht jedoch keiner, denn selbst in ruhigeren Momenten sind es entweder die selten doofen Dialoge oder die Mimen mit ständigem Overacting, die einem ein Schmunzeln abverlangen.

Treffend besetzt ist die Riege allemal, denn Klischeeerscheinungen wie Gangmitglieder Patch (mit Augenklappe) oder Donut (ein wenig übergewichtig) passen genauso gut in den Kreis wie die wesentlichen Figuren, welche im Endeffekt glaubhaft, wenn auch stets drüber performen. Die Mädels zwischen zwanzig und Mitte dreißig gehen allerdings durch die Bank nicht mehr als Schülerinnen durch.

So werden Allianzen geknüpft und jemand landet im Krankenhaus, es gibt eine Ballerei auf einer Rollschuhbahn, Kino für zwei Personen kostet offenbar zwanzig Dollar und Schulkinder werden per versetzter Speise zu Drogenabhängigen gemacht, während Lehrkörper bereits eingeschüchtert auf die Halbstarken zugehen. Viel Action sollte man nicht erwarten, ein paar blutige Auseinandersetzungen mit Schusswaffen, ein brennendes Auto und ein Messerkampf sind indes gut in Szene gesetzt.

Merkmale eines zeitgenössischen Exploitationers kommen zwar zur Geltung, doch Trashfreunde als auch Fans leicht angestaubter Gangfilme kommen bei diesem kurzweiligen Werk eher auf ihre Kosten. Nicht sonderlich spannend, jedoch durchweg unterhaltsam.
7 von 10

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