Gloria ist durch. Der Freund setzt sie vor die Tür, sie landet in dem Kaff, in welchem sie aufgewachsen ist. Hier trifft sie auf Oscar, einen Freund aus der Schulzeit. Dieser greift ihr unter die Arme, während ein riesiges Monster beginnt, die Stadt Seoul heimzusuchen.
Humor ist eine sehr subjektive Sache. Nach der Sichtung von „Colossal“ bin ich über die oftmals beworbene komödiantische Seite des von Nacho Vigalondo geschriebenen und inszenierten Werks etwas erstaunt. Zwar hat der Film durchaus seine witzigen Momente, doch überwiegt merklich der Dramateil, gepaart mit einem Fantasyeinschlag und manch absurder Idee, die das Szenario erst möglich macht. Schieben wir es auf de Marketingabteilung.
Möchte man nach weiteren Ebenen suchen, wird man ebenso fündig. Die problematischen Ausmaße in Glorias Trinkerei manifestieren sich in den sie umgebenden Personen. Ablehnung, Passivität, Aggression etc. Vielleicht auch auch die Auseinandersetzung mit der Verbreitung seiner Aktivitäten um die Welt per social media, selbst vom Spielplatz aus. Oder eben das Offensichtliche in der Verarbeitung eines Traumas, die bildliche Darstellung menschlicher Ausbrüche mitsamt der gefühlten Wirkung auf das Umfeld. In diesen Punkten funktioniert „Colossal“ richtig gut und letztendlich finde ich es schade, dass man nicht einzig diese Ausrichtung zugrunde gelegt hat.
Wie auch immer, die Drama-Komponente funktioniert hier besser, läuft sich aber auch irgendwann etwas tot. Dabei schleppt der Film ab der ersten Minute das Vorwissen des Publikums mit. Denn hat man den zugehörigen Trailer oder auch nur das Plakat gesehen, wartet man eine halbe Stunde darauf, dass die Hauptfigur das erkennt, was man selbst schon weiß. Solch ein Warten nimmt dem Plot ein gutes Stück Spannung im Aufbau. Und ist die Katze erst mal aus dem Sack, macht Vigalondo noch einen Schlenker, um einen Antagonisten zu kreieren mit der erwartbaren Zuspitzung im Nachgang.
Jason Sudeikis ist in einer ungewohnten Rolle zu sehen und beweist die Fähigkeit zum vielfältigen Spiel. Anne Hathaway in der Hauptrolle trägt den Film und kann das ebenfalls für sich in Anspruch nehmen. Doch wirkt es, als wäre da immer noch ein Tick mehr drin gewesen.
Zugegeben, das Ende ist angenehm konsequent, die zugrundeliegende Idee originell genug und die beiden Hauptfiguren auch interessant. Die beworbene Komödie ist nur Fassade, dahinter wird es lohnenswert. Doch bis man dahin kommt, dauert es und so ist „Colossal“ durchaus sehenswert, in seiner Konstruktion aber nicht ganz glücklich.