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A real headscratcher Wenn sich nach einigen Minuten Laufzeit die Anzeichen verstärken, dass das sich manifestierende Monster wohl als Symbol für Glorias Alkoholproblem und ihre daraus resultierende Verantwortungslosigkeit steht, wird auch klar, dass dies nicht die romantische Monsterkomödie wird, die der Trailer verspricht. Man kann es der Marketingabteilung nicht verübeln, denn COLOSSAL ist extrem schwer auf eine vermarktbare Formel zu bringen, weil er eine so noch nie dagewesene Geschichte erzählt. Das ist einerseits sehr erfreulich, andererseits ist der Tonwechsel des Films und die Entwicklung bestimmter Charaktere in der zweiten Hälfte so krass, dass man dem nur noch schwer folgen kann, bzw. will. Dennoch ein merkwürdig interessanter Genremischmasch aus Beziehungsdrama, Komödie und Monsterfilm mit einigen mutigen Entscheidungen – ohne Rücksicht auf Mainstreampublikum und Marketing.
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Leider nicht der nächste CLOVERFIELD. Nicht einmal der nächste PACIFIC RIM. Kolossal ist hier nur der Mangel an Respekt vor dem Riesenmonsterfilmgenre. Alles dreht sich um das verpeilte Mauerblümchen, während das Monstrum - diese dürre Gestalt mit den Hörnern - zur Randfigur verkommt und keine 10 Minuten Screen Time kriegt. Die Kreatur ist eh nur eine Marionette und hat lachhafte Auftritte, die stets nur wenige Sekunden dauern. Das Ganze ist sowieso mehr ein überlanges und vom Erzähltempo her sehr langsames Beziehungs- und Freundschaftsdrama mit dem Fokus auf den menschlichen Figuren. Fans von destruktiven Giganten bekommen also so gut wie nichts geboten. Auch ist die Mensch-Monster-Verbindung im Grunde schlecht durchdacht, mag sie auch noch so viel Clevernis vortäuschen. Und wieso eigentlich Seoul und nicht Tokio?