Review

Staffel 1 - 9,5/10

Staffel 1

Ladykracher

"Fleabag " ist eine der besten (Comedy-)Serien, die (gerade hierzulande) kaum einer kennt. Und das ist eine Schande! Selten habe ich so sehr und regelmäßig und laut gelacht, selten war ich Figuren innerhalb von so kurzer Zeit so nah, selten war ich so begeistert.

Es geht um eine Londonerin, vielleicht Anfang 30, ledig, intelligent und frech, die ein Trauma verarbeiten muss und versucht, ihr Leben irgendwie in geregeltere Bahnen zu lenken, ihr Glück zu finden und die Herausforderungen einer modernen Frau im 21. Jahrhundert zu meistern...

Warum ist "Fleabag" so herausragend?
+ Phoebe Waller-Bridge!!! Was für ein Genie.
+ extremes Lachpotenzial
+ Erinnerungen irgendwo zwischen "Arrested Development", "Deadpool" in feminin und "The Marvelous Mrs. Maisel" werden wach
+ weiblicher Blickwinkel ohne diesen aufzudrängen
+ erfrischend und elegant
+ freizügig und frech
+ London-Vibes unverkennbar
+ mit das beste Zerbrechen der vierten Wand, das ich bisher gesehen habe
+ grandiose Darsteller in Nebenrollen (Olivia Colman!)
+ im späteren Verlauf dann doch noch überraschend tiefgründig und emotional
+ hervorragende Charakterzeichnung/-entwicklung
+ harter Creditssong passt - denn die Serie und die Figur Fleabag rocken!
+ Humorbandbreite
+ komödiantisches Timing auf den Punkt
+ das Meerschweinchen!
+ voller Energie und Kreativität
+ Indie-Feeling
+ kurz & knackig
+ nicht umsonst mehrfach Emmy-ausgezeichnet
+ näher am Zeitgeist und gleichzeitig zeitloser kann man kaum sein
+ schwer Makel zu finden, nahezu perfekt
+ aktuelle, brisante Themen werden unfassbar intelligent verarbeitet und eingebaut
+ man spürt die Liebe zu den Figuren

An welchen Stellschrauben könnte noch gedreht werden?
-- viel zu wenig Folgen!
-- zu "woke", zu selbstbewusst für manche
-- Theaterwurzeln könnten manche abschrecken
-- zu geschwätzig und zu schlau?!

Fazit: weiblich, echt, unfassbar witzig, sehr britisch und doch irgendwie revolutionär... "Fleabag" reichen sechs Folgen, noch nichtmal zweieinhalb Stunden, um zu einer der essenziellen Serien der 2010er zu werden. Jetzt bin ich gespannt, ob die zweite (und leider finale) Staffel das Niveau hält oder gar steigert. Unendlich frech, feminin und vielseitig. Selten musste ich mir Kontrapunkte derart aus den Fingern saugen. Feier ich! (9,5/10)

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