Review

Wer Ende der Siebziger, Anfang der Achtziger mit den Hörspielen von Europa aufgewachsen ist, dürfte sich noch vage an die fünf Vertonungen von „Burg Schreckenstein“ erinnern.
Da liegt natürlich die Befürchtung nahe, dass eine zeitgenössische Verfilmung furchtbar modernisiert daherkommt, doch Regisseur Ralf Huettner gelingt der Spagat zwischen den altehrwürdigen Originalen von Hassencamp und einigen Einflüssen der Neuzeit.

Schüler Stephan ist geschockt, als er von seiner Mutter auf ein Internat geschickt wird.
Auf Burg Schreckenstein angekommen, muss er zunächst eine Mutprobe bestehen, um als Schreckensteiner anerkannt zu werden, doch dann freundet er sich rasch mit den Mitschülern an. Als die Fehde mit den Schülerinnen des Internats Rosenfels zu eskalieren droht, steht das alljährliche Burgfest an und die Jungs haben sich bereits einen neuen Streich ausgeheckt…

Der Vorspann dürfte die älteren Semester zunächst in ihren bösen Vorahnungen bekräftigen, als nerviger Sprechgesang ertönt und eine Fahrt mit dem Skateboard von grellen, comicartigen Einblendungen begleitet wird. Mit Ankunft auf Burg Schreckenstein relativiert sich das jedoch rasch, denn die Lokalität ist gut gewählt, mit den Mini-Rittern Dampfwalze, Mücke, Ottokar und Strehlau wird man rasch warm, während die Dialoge teilweise ein paar Kraftausdrücke zuviel beinhalten, jedoch nicht mit moderner Jugendsprache zu punkten versuchen.

Die Streiche halten sich weitgehend an die Originale, allerdings wird zwischenzeitlich eine Drohne eingesetzt, um eine Sprinkleranlage zu aktivieren, Smartphones tauchen am Rande auf und die Klassenzimmer sind mit Computern ausgestattet. Jene Modernisierungen sind jedoch zu verkraften, denn der Geist der Originale schwingt durchaus mit, zumal die Figuren treffend besetzt sind und mit Harald Schmitt als Graf und Henning Baum als Rex zwei solide aufspielende Mimen als erwachsene Sympathieträger dienen.

Positiv ist ebenfalls, dass hier jene Werte vermittelt werden, die den literarischen Vorlagen gerecht werden: Solidarität, Gemeinschaft und Zusammenhalt, Gerechtigkeitssinn und Verantwortungsbewusstsein. Da versucht wurde, 27 Bände in einem Abenteuer zusammenzufassen, geraten einige Aspekte zwar ein wenig oberflächlich, doch demgegenüber wird die Geschichte straff und nahezu ohne Längen erzählt.

Ansonsten herrscht Kurzweil auf Burg Schreckenstein, witzig (auch für Erwachsene) gestalten sich einige visualisierte Gedankengänge (…und wenn wir sie zum Mond schießen?...), während der Score super funktioniert, wären da nicht die plakativen Rap-Texte, die sich in nahezu jeder modernen Literatur-Adaption finden und fast immer peinlich daherkommen. Dennoch eine gelungene, wenn auch zuweilen etwas voll gestopfte Umsetzung, welche in dieser Form durchaus mehrere Teile verdient hätte.
Knapp
7 von 10

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