Eve (Lucy Fry) reist mit ihren Eltern und ihrem kleinen Bruder in das nordaustralische Outback, um nach einem psychischen Kollaps auf Grund ihrer Schmerzmittelabhängigkeit wieder auf die Beine zu kommen. Ihr ehrgeiziger Vater ist auch ihr Leichtathletiktrainer und will durch die Reise seinen übertriebenen Ehrgeiz wieder gutmachen. Eines Abends taucht ein für uns alter Bekannter auf: Mick Taylor (John Jarratt), der fiese, verstörende Wolf Creek-Killer. Er macht kurzen Prozess mit der Familie. Eve überlebt verletzt, weil Mick denkt, sie sei ertrunken. Nun macht sich Eve auf ihre Reise: ihr Ziel sind nicht die landschaftlichen Schönheiten des 5.Kontinents, sondern: Rache. Sie fühlt sich schuldig, denn wegen ihr war ihre Familie überhaupt erst in Australien. Der freundliche, aber etwas zu gutmütige Cop Sullivan Hill (Dustin Clare) warnt sie vor ihrem Unterfangen, kann (und will) sie aber nicht wirklich stoppen. Somit beginnt eine Reise in die Dunkelheit des Outbacks mit viel Blutverlust…
Ich liebe Australien, ich liebe Horrorfilme und besonders den ersten „Wolf Creek“ von Greg McLean mag ich sehr. Greg McLean ist als Produzent und Regisseur auch in die Entwicklung dieser „Stars“-Serie involviert und hat den Geist der beiden Kinofilme bewahrt, wenn auch abgeschwächt. Die Horrorelemente wurden abgemildert, es wurden dafür mehr die Drama- und Thrillerelemente be-tont. Besonders merkt man dies an der Heldin Eve, überzeugend von Lucy Fry verkörpert. Als Amerikanerin ist sie fremd in diesem großen, leeren Land und dies betont noch ihre Außenseiterrol-le, ihre Isolation. Eve verwandelt sich im Laufe der sechs Episoden immer mehr zu einer verhärte-ten Einzelgängerin. Sie ist eine sperrige Heldin, aber dadurch auch interessanter und komplexer. Ihre Wut und Verzweiflung paart sich mit einer manchmal geradezu irritierende Courage und Dreis-tigkeit. Diese Dreistigkeit kriegt dann immer Brüche, wenn sie Mick näherkommt und wenn das Drehbuch einige irrsinnige Saltos schlägt.
Bei manchen Drehbuchideen (ich sage nur: die Rockerbande und der Ausbruch) war ich geradezu verstört, wie hanebüchen diese waren. Klar, ich erwarte keine Dokumentation, aber bei manchen Drehbuchvolten waren so viele schräge Zufälle im Spiel, dass es stellenweise etwas zu viel war.
Trotz dieser Einschränkungen: die TV-Serie „Wolf Creek“ bietet spannende Unterhaltung, großarti-ge Landschaftsbilder, ein unfassbar eindringliches Titellied (an sich ein englisches Wiegenlied), gute Darsteller, eine sperrige, aber dennoch sympathische Titelheldin und den großartigen John Jarratt, den ich persönlich furchteinflößender finde als Michael Myers oder Leatherface. Diese sind „nur“ abgrundtief böse, Mick hat diesen polternden Aussie-Humor, den man wirklich gerade bei älteren Australiern abseits der Großstädte findet. Erst kichert er jovial, dann sticht er wie ein Skorpion sofort zu.
Freunde der beiden ersten Kinofilme werden hier auf ihre Kosten kommen; mir hat’s, trotz einiger grotesker Drehbuchkapriolen, gut gefallen.
7/10.