Review

Mickey, ungläubig: "Wait! You're saying there really is some crazy guy out in the woods?"
Joe, abschwächend: "He's only a little crazy."


Die sechs jungen Leute sind unterwegs auf einer ruhigen, kaum befahrenen Landstraße Amerikas. In ihrem alten aber geräumigen Van tummeln sich Ex-Häftling Joe (Ken Dusek Jr.) und seine Roadkill fotografierende Freundin Mickey (Heathyr J. Clift), Dauerkiffer Zed (Zed Wilson) und seine Begleitung, das Hippiemädel Holly (Lindsay Robertson), sowie Durchschnittstyp Jeremy (Jake Perry) und sein Mitbringsel, die Spaßbremse Giselle (Nicole Buehrer). Sie entfliehen dem stressigen Alltag, wollen einige Tage abschalten und einfach nur Spaß haben. Daß ihr kleiner Ausflug nicht so verläuft wie geplant, darauf weist uns in der Eröffnungsszene bereits Stoner Zed hin, welcher weiter anmerkt, daß sich die folgende Geschichte tatsächlich so zugetragen hat. Nun ja, ungefähr so halt, einige künstlerische Freiheiten habe man sich schon genommen. Bereits die lange Fahrt steht unter keinem guten Stern. Mickey meint, eine abgetrennte Hand neben der Straße liegen gesehen zu haben, ein vor ihnen fahrender Hinterwäldler hat Probleme mit seiner länglichen, in einen Teppich gewickelten, blutenden Fracht, und dann verreckt ihnen auch noch wenig überraschend die Karre. Gut, daß sie es zu ihrer ruhigen, abgelegenen Hütte im Wald nicht mehr weit haben.

Oh, ein weiterer Eine-Gruppe-Teens/Twens-in-einer-Hütte-im-Wald-Horrorfilm, wie schön! Bevor ihr jetzt aber gähnend abwinkt und euch anderen Dingen widmet, solltet ihr wissen, daß dieser hier anders ist. Nicht so anders wie The Cabin in the Woods (2012), aber immerhin doch anders. Trippin' versucht sich nämlich an einem Spagat zwischen Horror und Komödie und bekommt den auch gar nicht mal so schlecht hin. Wie beispielsweise etwa Shaun of the Dead (2004) funktioniert Trippin' in beiden Kategorien; er schafft es also einerseits das Publikum zu verängstigen, während er andererseits das Subgenre augenzwinkernd auf die Schippe nimmt. Zwar spielt der Film nicht in derselben Liga wie Shaun, aber Spaß macht der Streifen allemal. Er zählt zu der Art Film, die zum amüsiert-zufriedenen Dauergrinsen einlädt, ist somit alles andere als eine Pointenschleuder à la dem Scary Movie-Franchise. Echte Brüller mögen rar gesät sein, dafür wird man jedoch von Dutzenden Blindgängern oder Rohrkrepierern verschont. Die witzigen Elemente des Flicks sind gut durchdacht, sorgfältig in die Handlung eingeflochten und ergeben sich aus der jeweiligen Situation und den dort agierenden Figuren heraus. Billige Slapstick-Einlagen sucht man hier vergebens.

Natürlich jongliert Trippin' mit Klischees, Vorurteilen und der Erwartungshaltung des Publikums, nur um sich einen Spaß daraus zu machen, diese auf den Kopf zu stellen und gegebenenfalls zu unterwandern. Diesbezüglich erinnert der Streifen etwas an Tucker and Dale vs Evil (2010), nur daß er nicht so offensiv vorgeht. Der Humor in Trippin' ist subtiler, hintergründiger und verschrobener (aber nicht weniger lustig), und der Blutfluß hält sich - trotz so mancher harten und garstigen Szene (man denke etwa an den "Vorfall" mit dem Schraubenzieher!) - in Grenzen. All das wird in einem der besten Momente des Filmes wunderbar kombiniert. Daß ausgerechnet die launische, Häschen-Pantoffel tragende Giselle (herzkrank, zugeknöpft und meist schlecht drauf noch dazu) ihrem Freund spontan einen Blowjob angedeihen läßt, ist überraschend. Daß ein Frosch das schmatzende Vergnügen torpediert, ist lustig. Und die Art und Weise, wie die Szene dann endet, ist garstig und witzig zugleich. Hier spielt alles so schön zusammen, daß ich vor Lachen fast von der Couch gefallen wäre, während ich gleichzeitig vor Phantomschmerzen zusammenzuckte. Auch ist es beinahe unmöglich vorherzusagen, wer wann wo stirbt und wer denn überhaupt der Killer ist.

Regisseurin und Autorin Devi Snively legt in ihrem Spielfilmdebüt (davor hat sie sich auf diversen Festivals mit zahlreichen Kurzfilmen einen Namen gemacht) viele falsche Fährten. Ein nerdiger Redneck-Spanner tappt ebenso durch den Wald wie irre (und ziemlich aggressive) Kinder, und an der düsteren Legende um den Jäger Eagle Eye (Bill Redding), der versehentlich seine Frau erschossen hat, daraufhin dem Wahnsinn verfallen ist und nun im Wald lebt und dessen Besucher häutet, scheint auch etwas dran zu sein. Außerdem sorgt Snively mit einem kleinen Kniff für weitere Verunsicherung. Joe hat nämlich die zum Abendessen servierten Spaghetti mit Drogen gewürzt. Möglich also, daß nicht alles, was gezeigt wird, auch tatsächlich so passiert ist. Zeds herrlich schräger Trip ist immerhin offensichtlich; er halluziniert sich als Puppe, während rund um ihn herum glotzende Augen aus Boden, Wänden und Möbel wachsen. Auf der Tonspur dudeln viele eingängige Pop/Rocksongs dahin, was den Gute-Laune-Faktor des Streifens noch erhöht. Mit Trippin' ist Devi Snively ein lockerer, sympathischer, kurzweiliger, leicht verdaulicher Low-Budget-Horrorspaß gelungen, der dem oft beackerten Subgenre genug neue Facetten abgewinnt, um originell und frisch zu erscheinen und gut zu unterhalten. Kurzum, ein angenehmer Trip, auf den man sich bedenkenlos einlassen kann.

Details
Ähnliche Filme