Sowieso selten überhaupt mit Zuspruch seitens der Kritik versehen, wird das Allround- und stetige Anwesenheitstalent Wong Jing erst seit den letzten Jahren so richtig in die Mangel genommen; gerade zu einem Zeitpunkt, als der kommerzielle Höhepunkt eingetreten und die vorübergehende finanzielle Durststrecke (um 2008 die Jahre herum) sich nicht nur aufgelöst hat, sondern in das Gegenteil gedreht ist. Wong hatte auch die Jahre des schleichenden Dahinsiechens etwa ein Jahrzehnt nach dem Handover '97 nicht anderes als zuvor, dies aber in wesentlich kleinerem Rahmen wie Kung Fu Mahjong (2005) und dessen zwei Nachzügler sowie Wise Guys Never Die (2006) oder My Wife Is a Gambling Maestro (2008) bspw. gemacht; das Übliche also, nur mangels Budget und Rendite auf ein Minimum an Aufwand und so mit anderen und den Leerraum füllenden kreativen Ideen (mehr oder minder) angefüllt. Tatsächlich gut war auch da schon etwas Anderes, aber die Filme haben schon mangels Masse nicht erschlagen und waren nicht gänzlich an der Oberfläche und dies mit allerlei auf die Dauer und eigentlich auch schon schnell entnervender Gadgetierei, dem hohlen Schein bloß und dann gar nichts mehr als Aufmerksamkeit angelegt:
Als der Interpol-Agent Sampan Hung Kam-bo [ zu alt für Clownereien: Andy Lau ] bei einer Mission scheitert, das sagenumworbene "Seed of Good", eine Superpflanze mit nur geringster Versorgung und größtmöglichen Nutzungsmöglichkeiten zur Ernährung der Menschheit, und ihren Erfinder, den Wissenschaftler Dr. Peterson vor den Fängen des Verbrechersyndikates K-Max, angeführt durch Snow [ Xu Dongdong ] und beschützt durch ihre Bodyguards Phoenix [ Michelle Hu ], Iron Hawk [ Wu Yue ] und Iron Tiger [ Ken Lo ] zu retten, ist er gezwungen, andere Mittel anzuwenden. Hierzu wendet er sich mit Bewilligung seines Vorgesetzen KK [ Shen Teng ] an den ehemals als Asiens Robin Hood bekannten Einbrecherkönig Louis Luo [ zu steif für Selbstironie: Huang Xiao-ming; dessen Rolle eher etwas für Shawn Yue gewesen wäre ], der nunmehr legal gewordenen ein schwerreiches Geschäftsimperium führt und sich ebenso um den Erwerb der Pflanze gekümmert hat. Luo und seine Mitstreiter, die Schwester Ka-yan [ Nana Ou-yang ], der befreundete Amon [ Wong Cho-lam ] willigen erst nach vielen guten Zureden und einigen Tricks in die Mission ein, die sie zusammen über Macau nach Mailand und wieder zurück führt, und bald nicht nur extrem gefährlich wird, sondern auch unfreiwillig die werte Frau Mama Luo [ Petrina Fung ] involviert.
So richtig anerkannt wurde das Übel erst mit From Vegas to Macau (2014), der ursprünglich als Art Rückkehr zu den glorreichen Wurzeln, zu dem vorherigen und bis dato als Markenstein in der Karriere geltenden God of Gamblers (1989) samt verzweigter Reihe gelesen und erhofft wurde, aber schon den Weg des geringsten Widerstandes und folgend mit bis heute zwei Fortsetzungen komplett in das Unheil ging. Ein heillos überdrehter Fasching, ein Kindergeburtstag noch zugleich, der Ausflug auf einen Spielplatz, bei dem nichts mehr abenteuerlich und gewagt, sondern nur noch sich wiederholend, chargierend, grimassierend, aalglatt ausschauend bis aseptisch steril, dazu trotzdem kunterbunt und laut und anstrengend für die Zuschauer ist. Aus der niederen Unterhaltung von einst wurde nach Aufmerksamkeit und vor Leere schreiendes Bonbon, dass auch künstlich hergestellt, voll-digitalisiert und mit Effekten zum Platzen voll aussieht; eine Regression, die nicht nach Wunsch nach dem Unbeschwerten der Kindheit, sondern einfach das Wühlen im über 35 Jahre Filmographie angehäuften Fundus plus viel Schnickschnack aus dem Computer, um das Vakuum vom Kasperletheater zumindest nach Außen hin zu füllen.
Teil I spielte 90 Mio. USD. ein, ungeahnte Höhen bislang, Teil II schloss mit 160 Mio. USD. ab und Teil III mit 175 Mio. USD.; was reichlich imposant nicht nur in seiner Gesamtheit ist, sondern derart erfolgreich, dass im Grunde keine Luft nach oben mehr ist. Erfahren musste dass Wong selber, dessen Nachzügler Mission Milano zwar mit (scheinbar) dem gleichen Patentrezept am Arbeiten ist, teuer und gelackt aussieht, mit zwei Stars in der Hauptrolle aufwartet und puren Eskapismus in Form einer Action-Klamotte verspricht, mit einem Einspiel von etwa 40 Mio. USD. allerdings eher im unteren Mittelpunkt der Möglichkeiten überhaupt und so wenig beeindruckend am Herumdümpeln ist:
Während zuvor und zumeist das Feld der Gambling Movies beackert wird, und auch hier wenigstens in einer Szene dieser Vorliebe gefrönt und die Referenz gleich mit erwiesen wird, strengt sich der Rest der alibihaften Handlung auf den Spionagefilm, die Agentenparodie bzw. die humoristische Variante all der Räuberpistolen um die Weltherrschaft und das Verhindern mutiger Einzelgänger, im Stil der Sechziger Jahre des Vergangenen Jahrhunderts an. Wenigstens kann man nicht behaupten, dass die hier auch stetig anwesende Technik aller Beteiligten nur als Gimmick (und für das aufdringliche Product Placement) vorhanden ist, gehört derlei Spielerei für das Genre doch schon zum guten Ton, und wird so fleißig gehacked und Informationen bezogen und weitergegeben und observiert und infiltriert und die Gegenseite mit der Druckpistole und den Giftaromen außer Gefecht gesetzt.
Viel mehr passiert in der Geschichte gar nicht, die wieder mal nur als Vorwand für etwas Action, dort erfreulicherweise auch bodenständiges Handkantengemenge, und ansonsten etwas Liebelei, viel Albernheit und gutes, wenn auch steriles Aussehen von Produktion und Darstellern übrig ist. Geschüttelt, nicht gerührt. Wer der Undercover in dem Plot ist, bekommt der Zuschauer schon eine halbe Stunde vor den eigentlichen Hauptpersonen spitz, und das Drumherum wird mit kindlicher Naivität aus Wongs Spezialitätenhandbuch, also mit viel aufdringlichen Ulk, Anekdoten, Sketchen, allem harmlosen Überflüssigen zur Ablenkung der möglichst gesamten Familie und so anziehend für Komplettbesuche im örtlichen Multiplex gewürzt. [Der Film lief punktgenau Ende September an, kurz vor dem Nationalfeiertag und der sogenannten Goldenen Woche, die zumeist arbeitsfrei ist.]