Review

Nachdem ich wunderbare 76 Minuten mit tödlicher Langeweile, kreativem Trash und „Winterbeast“ verbracht hatte, war nun der zweite der drei No-Name-Trash-Klassiker dran, derer sich Vinegar-Syndrome angenommen hatte. „Fatal Exam“ wurde vom Internet in die Geisterspuk meets Slasher-Kategorie eingeordnet, aber letztendlich ist auch dieser Film als ein scheinbar feuchtfröhlicher (oder feucht-ernster) Wochenendspaß zusammengestümpert worden.

Das wäre insofern ähnlich erfreulich, wäre Jack Snyders Inkompetenz in Sachen Drehbuch und Regie von derselben Art wie die von Chris Thies bei „Winterbeast“, aber sein „Fatal Exam“ läuft volle 114 Minuten und das wäre schon bei einem meisterhaften Profi-Slasher von Alexandre Aja oder James Wan eine echte Herausforderung. Das sollte man schon mal als Fingerzeig nehmen, dass hier Geduld, Gleichmut und mentale Flatline gefordert sind.

Worum geht’s: irgendein gefeierter Dozent mit Hochstehfrise und unmöglichem Schnauzbart stellt seinen Studenten Extra-Bussis in Aussicht, wenn sie ein gar fröhlich Wochenende im Landhaus des Massenmörders Malcolm Nostrand(amus?) verbringen, um da irgendwas zu suchen oder zu finden oder wasweißich.
Mäßig begeistert und noch mäßiger engagiert fahren die ABSOLUT UNMÖGLICH frisierten Hohlbirnen, die offenbar ihre Lebenszeit in der Bar neben dem Fitnessclub verbracht haben und jetzt nicht mal ansatzweise wie Studenten wirken, eben dorthin, sitzen oder stehen rum, beginnen eine Hausdurchwanderung mit den schleppenden Schritten eines trotzigen Vierjährigen und saufen Bier aus einer niemals leer werdenden Kühlbox, die eigentlich nach drei Minuten schon nichts mehr hätten enthalten dürfen.

Einer unter ihnen, der etwas pummelige Nick, nimmt die Aufgabe etwas ernster, aber das fällt zunächst weitestgehend nicht sonderlich auf. Auf jeden Fall passiert die ersten 45 Minuten so gut wie gar nichts. Halt Typen in einem weitestgehend leeren Haus. Rumlaufen, labern, Stimmung so drei Zentiliter über Scheißegal. Eine Nacht pennen. So nach 34 Minuten gibt einen Nachtschreck, als einer einen abgetrennten, aber lebenden Kopf in einem Schrank gesehen haben will, aber danach wieder viel Monotonie auf dem recht hübschen Anwesen.

Zum allgemeinen Ödnis trägt auch noch Regisseur Snyder bei, der als Sahnehäubchen der absolut schlafmützigen Inszenierung dazu neigt, narrativ vollkommen unwichtige Handlungen in absolut epischer Breite auf Film zu bannen – wahrscheinlich um den Realismusanspruch zu unterstreichen. Eine 15-Sekunden-Standardmontage zur Morgentoilette des vermeintlichen Hauptdarstellers gerät so zu einer 3-Minuten-Angelegenheit komplett mit Weckerklingeln, Klarwerden, Arschkratzen, ins Bad gehen, Zähneputzen, Kaffeemachen, Cornflakes löffeln, Hose suchen, Sachen packen – ohne dass auch nur ein Hauch Relevanz im Bild gewesen wäre.
Später wiederholt sich der Käse noch mal bei der Hausdurchwanderung, wenn die sieben Trottel einer nach anderen in einer endlosen Prozession die Treppen hochlatschen, immer schön hüftlahm mit ohne Motivation im Schritt. Die Wirkung ist beinahe hypnotisch.

Der Film bekommt dann irgendwann endlich einen Plot, als ein halbwegs begabt modelliertes Collagengemälde gefunden wird, welches eine Art Dämonenbeschwörung zeigt, anbei zwei interpretierbare Datumsangaben. Alsbald fangen die ersten Mitglieder der Gruppe dann auch an zu verschwinden und natürlich fragt sich der langsam abdriftende Zuschauer, wann denn nun endlich der Gore der Handlung beitritt.

Bis es soweit ist, rennen die Betreffenen aber erst noch mal reichlich über die Terrasse und durch den Garten (die nicht unbedingt zu dem Anwesen gehören müssen, es gibt hier nur sehr selten Kameraschwenks) und reden weiter Kokolores. Ein schmaler Lockenkopf, der hier bemüht-vergeblich den Wissenschafts-Crack-Nerd gibt, elaboriert zwischendurch minutenlang irgendeinen Tünnes, bevor er wieder stundenlang auf einen winzigen alten Fernseher starrt, der angeblich ein Computer sein soll und wehrt sich argumentationslos gegen die logische Abreise, auch als schon die Hälfte der Anwesenden fehlt. Irgendwann, nach einigen Äonen Laufzeit, werden dann die verbleibenden Researcher von einem besessenen Kollegen binnen zweier Minuten verhackstückt und einer davon präsentiert die klassische Nummer von dem Angegriffenen, der sich vergeblich einige Stunden an den Türrahmen klammert, während er offside vom Killer attackiert und aus dem Bild gezogen werden soll.

Natürlich rettet Nick dann doch noch den Tag, indem er – nach einigen ungelenkst und albern inszenierten Kampfsequenzen (hüftlahm auf Valium) – in die Katakomben vordringt, wo er seinen Dozenten als Strippenzieher entlarvt, der seine Studis für höllischen Ruhm verkauft hat. Beinahe sieht man dann noch ein paar schlecht einkopierte Stop-Motion-Sequenzen eines Höllenwesens, dann können endlich alle beruhigt weiterschlafen.

Ganz ehrlich, als 18-minütige Super-8-Präsentation hätte der Film keine Unterhaltungsverluste erlitten, etwas Statischeres als diese Beinahe-2-Stunden hab ich schon lange nicht mehr gesehen, mit brav auswendig gelernten Monologen und Dialogen, die ohne Talent zusammen geschnitten wurden. Ich halte es für möglich, dass der Regisseur etwas gegen seine Darsteller in der Hand hatte, anders ist diese unmotivierte Im-Raum-Steherei nicht zu erklären.
Hier und da bringt der eine oder andere Effekt mal kurz Licht ins Dunkel einer Laienproduktion, aber generell hat diese tempobefreite Crew absolut kein nennenswertes Talent zu vermelden. Leider sind Jack Snyder und seine Jungs und Mädels auch nicht so schlecht, dass man sich darüber amüsieren könnte, denn monoton memorierte Theorien in Schriftsatzlänge halten wirklich keine 114 Minuten aus.
Von mir aus eine redlich verdiente 1/10!

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