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Kevin Kline ist, ohne Frage, einer der besten Komödien-Darsteller, die das Filmbusiness zu bieten hat. Seine Rolle als fieser Otto in Charles Crichtons Top-Comedy "Ein Fisch namens Wanda" ist legendär, sein Auftritt als schwuler Howard Brackett in "In & Out" ebenfalls. Aber er kann auch anders! In Michael Hoffmans "Club der Cesaren" spielt er einen gewissenhaften und strengen Lehrer, der seine Welt gestört sieht, als ein "aus der Reihe tanzender" Schüler in sein Leben tritt. Leider aber ist er fast das Einzige, was in diesem recht bieder geratenem Filmstück, herausragt.

Dabei mag die Geschichte eigentlich zu gefallen. Ein Lehrer, der den schwierigsten Schüler, den er je gehabt hatte, nach 25 Jahren wiedersieht und sich dabei unter anderem an die Zeit von damals zurück erinnert, hat durchaus Potenzial für einen anspruchsvollen Videoabend, mal ohne den typischen Mainstream-Kitsch, den man sonst so kennt.

Dabei wird der Film eigentlich in zwei Hälften geteilt. Die erste, wesentlich größere, Hälfte zeigt die Geschichte wie sie vor 25 Jahren abgelaufen ist. Damals, als er diesen schwierigen Schüler in die Klasse aufnehmen musste. Damals, als er trotzdem an ihn glaubte. Damals, als er merken musste, dass alle Mühe vergebens war.
Die zweite Hälfte erzählt dann von einem Klassentreffen, bei dem der Lehrer seinen, mittlerweile sehr erfolgreichen, Schüler zum ersten Mal wiedersieht und eine weitere bittere Erfahrung machen muss. Gut aneinander geschweißt, passen diese beiden Hälften eigentlich auch gut zusammen.

Leider aber verpasst es Hoffman, der Geschichte die entscheidende Würze zu geben und lässt die Handlung vollkommen uninteressant und ohne richtige Höhepunkte vor dem Zuschauer ablaufen. Alles plätschert arg bemüht vor sich hin, ohne richtig in die Gänge zu kommen. Zwar gibt es schon einzelne kleinere Höhepunkte, wie den zweimaligen Wissenswettbewerb um den schlausten Kopf der Schule und der daraus folgenden, nicht zu erwarteten, Enttäuschung für den Lehrer. Aber wirklich ausschlagen können diese Momente leider kaum. Zudem bleibt das Meiste arg vorhersehbar, zu brav und kann einen nur selten berühren. Schade eigentlich! Hier hätte es durchaus öfters mal klappen können!

In Sachen Inszenierung, kann man dafür zufrieden sein. Ob es nun die Ausstattung ist, die Kulissen oder das ganze Drumherum, wie die schöne Musik und die guten Kameraarbeiten. Alles ist auf gutem Niveau und kann einen dann doch vor dem Einschlafen retten.

Zudem sind auch die Darsteller sehr gut ausgewählt worden. Kevin Kline ist als Lehrer glaubwürdig und stellt seinen Part wirklich bestens da, so dass einem seine Rolle auf wunderbare Art und Weise rüberkommt. Dazu steuert Emile Hirsch den Gegenpol Sedgewick Bell ebenfalls recht talentiert bei und auch alle anderen Schauspieler sind völlig akzeptabel. Schade nur, dass sie bei dem müden Drehbuch leicht verschenkt wirken.

Fazit: Relativ bieder wirkendes Schul-Drama, dass zwar durchaus eine gute Story besitzt und mit einer passenden Inszenierung und den guten Hauptdarstellern punkten kann, aber durch die spannungslose, viel zu betuliche Dramaturgie, die vor allem durch das mäßige Drehbuch entstanden ist, auch wieder viel verschenkt.
Schade eigentlich, denn es wäre so viel mehr drin gewesen!

Wertung: 5,5/10

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