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Birth of the Dragon nimmt sich den realen Kampf zwischen Bruce Lee und Wong Jack Man Anfang der 1960er Jahre zur Brust und baut drumherum eine recht kitschige Actiongeschichte. Den Kampf gab es wirklich, die Hintergründe sind sagenumwoben und auch der Ausgang des Kampfes ist bis heute umstritten. Es ging oberflächlich darum, dass der Palastrevoluzzer Lee gegen den Traditionalisten Man darum kämpfte, ob er in den USA auch Nichtchinesen in Kung Fu unterrichten dürfe und ob die chinesische Gemeinde das erlauben könne.

Eine im Prinzip ziemlich einfache Aufgabe, Lee als den Underdog zu präsentieren, der es entgegen der etablierten Gesellschaftsmeinung schafft, sein Ding durchzuziehen. Aber ganz so einfach macht es sich der Film nicht. Im Gegenteil, er macht es sich nicht nur ungleich schwerer, er macht es sich selbst unnötig schwer.

Wieso macht es sich der Film schwer: Er versucht seine Aufarbeitung des Kampfes tatsächlich relativ akkurat zu halten und nicht eine weitere Heldenverklärung bzgl. Lee abzuliefern. Dies gelingt vor allem deshalb ganz gut, da er Bruce Lee zum einen als guten Menschen darstellt, der auch mal für seine Leute einsteht und keinem Kampf aus dem Weg geht. Auf der anderen Seite zeigt er Bruce Lee aber auch als den arroganten, selbstsicheren Egoisten, der seiner Karriere keine Steine in den Weg legen will. Dieser Spagat funktioniert so gut, dass Bruce Lee in seinem eigenen Film bisweilen zu einer Nebenfigur wird. Das muß jetzt jedoch nicht als Nachteil angesehen werden, denn dadurch bekommt sein Widerpart mindestens genauso viel Spielzeit eingeräumt und wird deutlich nuancierter portraitriert als einfach nur der Shaolin-Scherge, der sein Handwerk verstecken will. Im Gegenteil, mit zunehmender Spielzeit kommt immer deutlicher heraus, dass Lee der eigentliche Agitator ist, der es aber auch nur deshalb ist, weil er Angst hat, was dieser Mönch ihm wegnehmen könnte - ohne dass da etwas dran wäre. Insofern ist diese Herangehensweise herrlich ambivalent, da Lee nicht unbedingt als Sympath rüber kommt. Nein, der Film nimmt sich die Freiheit, zu interpretieren, dass Lee mit dem stattfindenden Kampf eine nächste spirituelle Ebene erreicht. Dies aber auch wieder nicht zu sehr zelebriert, denn Lee ist und bleibt ein angeberischer Arrogant.

Der Film macht sogar so viel richtig, dass er Lee einfach ein bißchen im Hintergrund beläßt, denn so behält er seine eigene Mystik bei, bleibt aber immer noch mehr Mensch als Legende.

Wo der Film aber dann doch scheitert, ist, dass er Lee zwar seine Hintergrundgeschichte erzählen läßt, aber kein bißchen von der Privatperson Lee preis gibt. Und hier macht er den zweiten Fehler: Er rückt in einem Film über zwei Chinesen in Amerika einen Amerikaner mit einer relativ simplen Liebesschmonzette in den Mittelpunkt, wohl um dem unbedarften eurasischen Zuschauer einen Bezugspunkt zu liefern? Sicher, dadurch behalten die beiden Antagonisten beide ihre Mystik bei, aber der Film wird dadurch auch wieder beliebiger.

Und was evtl. bei manchen auch sauer aufstossen dürfte, ist dass der Kampf der beiden relativ früh abgehandelt ist, und der Film nur noch darauf hinaus läuft, ein paar ikonische Bruce Lee Szenen vorweg zu nehmen! Sieht super schick aus und macht Freude zu sehen, keine Frage. Aber Puristen werden zu recht sagen, dass das Sujet sowas eigentlich nicht benötigt hätte.

Alles in allem ein trotzdem wirklich gelungener Film mit einer herrlich ambivalenten Herangehensweise an Bruce Lee und einer schicken und harmonischen Auflösung. Und dass dieses historische Treffen auch als Geburt des Drachen angesehen wird? Ganz ehrlich, selbst als Lee Fan ist uns das egal - geschenkt.

Eigentlich 6 Punkte, aber weil die Kämpfe gut waren, die Charakterisierung zu Gefallen wusste, doch irgendwie 7 Punkte.

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