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1960 wurde der finnische See Bodom aufgrund einer traurigen Geschichte bekannt, als drei von vier zeltenden Jugendlichen ermordet wurden. Jahrzehnte später wurde der Überlebende verdächtigt, doch die Mehrheit der Beweise sprachen für ihn, woraufhin der Fall bis heute ungeklärt bleibt. Dadurch entstehen selbstverständlich Mythen und Gerüchte und es lädt natürlich ein, mit einem Slasher an die Thematik anzuknüpfen.

Die Jungs Elias und Atte wollen die schauerlichen Ereignisse der Mordreihe um den See Bodom rekonstruieren und überreden die Freundinnen Ida und Nora zu einem Trip. Doch in der Nacht scheint jemand um das Zelt zu schleichen…

Der finnische Regisseur Taneli Mustonen wagt den ersten Ausflug ins Horrorgenre und das mit Erfolg. Nach kurzer Einführung der vier (Ida ist mit einem Trauma behaftet, welches relativ spät thematisiert wird), befindet sich die Gruppe bereits im Welt und von da an punktet die Atmosphäre der Abgeschiedenheit und des drohenden Unheils. Der See, etwas Nebel, kleinste Geräusche im Unterholz, - Mustonen weiß genau, wie man mit simplen Mitteln Spannung erzeugt, was ihm primär während der nächtlichen Szenen sehr gut gelingt.

Nach einem Gewaltakt und einer kurzen Hatz erfolgt ein nicht unbedingt erahnbarer Twist, dem wiederum ein paar kleinere Wendungen folgen, wobei eine definitiv erahnbar ist.
Zumindest bleibt es thematisch nicht beim Slasher, es gibt leise Medienkritik, etwas Terror, sogar ein wenig Coming-of-Age und final die Grundlage eines weiteren Mythos, womit sich der Kreis beinahe wieder schließt.

Das geringe Budget ist der Produktion zu keiner Zeit anzumerken, denn die Kamera arbeitet sauber und liefert ein paar gelungene Luftaufnahmen. Der teils eingängige Score unterstreicht die isolierte Atmosphäre sehr gut und auch darstellerisch wird solide geliefert. Als kleiner Schauwert überschlägt sich ein Auto einige Male, nur gewalttechnisch hält sich der Stoff deutlich zurück, was eine FSK16 hinsichtlich des Terrors in den letzten Minuten gerade noch rechtfertigt.

Insofern ist die finnisch-estnische Koproduktion durchaus gelungen, obgleich die Geschichte simplen Mechanismen folgt, nur eben über ein Subgenre hinaus geht, dabei nahezu durchweg Spannung erzeugt und mit einigen Wendungen überrascht. Hinzu kommen eine in sich stimmige Atmosphäre und ein paar recht grimmige Einzelmomente.
Die 85 Minuten bieten Genrefans definitiv Abwechslung und Kurzweil.
Knapp
7 von 10

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