Crowdfunding ist eine feine Sache, wenn man auf diese Art und Weise Dinge auf Film gebannt bekommt, für die kein Produzent heute noch einen müden Heller locker machen würde, selbst wenn auf kostengünstige aber hochqualitative Ware eingependelte Firmen wie Blumhouse das inzwischen könnten, ohne wirklich mit dem Hämmerchen aufs Sparschwein zu hauen.
Geben wir es doch ruhig zu: der 80er-Jahre-Creature-Horror in bester Schleim-Prop-Manier ist tot. Tot wie die Viecher augenscheinlich immer nach dem Showdown waren. Wenn heute noch ein Monster sein Haupt in einem Film erheben darf, dann stammt es zumeist aus dem Computer – und alles was ihm noch fehlt, ist eben ein T-Shirt, auf dem genau dies überflüssigerweise noch steht.
Aber immer wenn irgendein Filmemacher wegen akuter Liebesnot seiner Jugendzeit sich daran erinnert, wie ach so viel charmanter es doch war, wirklich mit bewegten Monsterfiguren und schleimigen Requisiten zu kämpfen, dann horchen die Nerds und Fans auf, obwohl sie zwei Minuten vorher noch klaglos auf dem 1.438. Version der immer gleichen öden Zombieapokalypse rumgekaut haben.
Crowdfunding ist da der Schlüssel, weil man vorher ankündigen kann, wofür man die Kohle rauspulvert (also für schleimige Props) und genau deswegen die Geldbörsen der Interessenten mehr oder weniger weit aufgehen.
Bei „The Void“ hat es gereicht, für die Props, für die abstruse Idee eine moderne Version einer Lovecraft-ähnlichen Verfilmung in der unerfüllten Traumtradition eines „In the Mountains of Madness“ und für Stimmung und Atmosphäre, gepaart mit ein paar richtig schön ekligen Details.
Im Fokus steht ein mysteriöser Kult, dessen Mitglieder ein halb abgebranntes und nur mäßig besetztes Landkrankenhaus belagern, woraufhin sich die versammelten Opfer-in-spe gegen die Widersacher von außen und eine andersweltliche Bedrohung von innen erwehren müssen. Wer an diesem Punkt nicht schon im Badezimmer dreimal hintereinander laut seinem Spiegelbild „John Carpenter“ entgegen gebrüllt hat (der danach sofort aus Nichts auftauchend nackt auf dem Couchtisch Mambo tanzt), hat hier nichts zu suchen, denn die Macher haben ihre Vorbilder in- und auswändig studiert.
Und genau das ist auch der Grund, warum „The Void“ weniger eine gelungene Hommage, als vielmehr ein gut gemachter Fanservice ist, denn abgesehen von guten Absichten und handwerklichem Geschick, den Horror eben nicht immer gut auszuleuchten, hat „The Void“ weniger zu bieten, als man sich vielleicht gewünscht hat.
Woran es hapert, ist ein wirklich überzeugender Plot (das könnte man noch verschmerzen) und die Präsentation dessen, was man stattdessen serviert bekommt. Der Zuschauer stürzt praktisch in die Handlung und muss dann schon sehr gut aufpassen, was in dieser Lovecraft-Variante von „Prince of Darkness“ mit Anklängen von „Assault on Precinct 13“ und Effektideen aus „The Thing“, garniert mit einem bei Fulcis „Über dem Jenseits“ gespiegelten Finale, nacheinander vor sich geht.
Wichtige Infos werden hier nur beiläufig in Nebensätzen erwähnt, manche Effekte und Ereignisse fahrig schnell an den Anfang einer Szene gestellt und wer in seiner Jacke nach Bonbons sucht, hat ggf. schon wieder etwas Wichtiges verpasst.
Schlimmer noch, die Figuren verblassen gegen den Einfallsreichtum der Creature Designer, die sich – allerdings ohne Rücksicht auf dramaturgische oder gestalterische Kohäsion einfach ausgetobt haben.
Identifikationsfiguren zu finden, ist praktisch unmöglich in diesem doch beeindruckend schlecht geschnittenen, wenn auch super ausgestatteten Grusler, der nicht mal mit Archetypen wirklich kreativ umzugehen weiß.
Irgendwo im Fokus steht eben ein uninteressanter Polizist mit einem Trauma gegen einen ehedem menschlichen Gegner mit einer ähnlichen Vergangenheit. Während der Antagonist zunehmend auf „Hellraiser“ macht, bleibt der Gute eher blaß: mal ist er knallhart, mal logisch argumentierend, mal „lonely strong man“, dann wieder ein wackliger Defensivcharakter, der blöde Witze macht oder hysterisch atmend in der Ecke liegt. Kreuz und quer durch den Film fuhrwerken weiterhin zwei seltsame Gestalten, die das Böse bekämpfen (auch mit Trauma), die als „stummer Schöner“ und „mieses Arschloch“ ausreichend differenziert beschrieben daher kommen. Die typische weibliche Hauptrolle fällt nach ein, zwei Kurzauftritten flach, weil sie die meiste Zeit aus der Handlung genommen wird, um selbige in Bewegung zu halten. Der Rest vom Fest, bestehend aus State Trooper, hysterischer Krankenschwester, Schwangerer, Großvater und einer weiteren „Nurse“ füllt eigentlich nur den Bodycount auf.
Die schlimmste Auslassung des Films sind die Gegner selbst, die zum Teufel einfach nicht gedeutet werden können, weil der Unterbau fehlt. Was da in unsere Welt dringt und woher, wie es beschworen wird und welches Ziel die Beschwörung hat, das ist alles ein nebulöses Kuddelmuddel. Der Bösling, der nach bester Alien-Manier am Ende sein Töchterlein zurück haben will, ersplattert sich stattdessen eine monströs zusammengeschraubte Chimäre, die frappierend an den buckligen Bruder der Alienhybride aus „Resurrection“ erinnert. Das sieht zwar klasse klebrig aus, hat aber keine großartigen Bezüge zu ist eine diametrale Perversionen von den Grundzuständen.
So erinnert der Film am Ende an eine zitatewütige Geisterbahnfahrt, die sich aber nach allerlei Geschmodder zu Beginn und im Mittelteil am Ende nicht mehr richtig steigern kann (auch dafür nehme ich den Schnitt in Haftung). Wer es gern tentakelig mag und seinen Uterus gern aufgeplatzt nimmt, der wird dennoch an „The Void“ seinen Spaß haben, denn man „spürt die Liebe“ der Macher zu ihrem Werk, ohne dass sie in Eingeweiden ersaufen.
Eine schöne Pointe hat der Film aber dann doch für mich, wenn er ausgerechnet die hysterischst kreischende Figur am Ende überleben lässt, die im Film ständig von allen Protagonisten mit unmöglichen Aufgaben im siebten Höllenkreis sitzen gelassen wird.
„The Void“ ist ein gelungenes Herzensprojekt aus der „Form über Inhalt“-Schublade, das sicherlich vielen als Abwechslung munden wird, aber für einen wirklichen engen Bezug zu den Vorbildern von vor 30 Jahren einfach noch nicht an allen Fronten ausgereift ist. 6/10