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Eher von Langweile geprägt ist der Alltag an der amerikanischen Südgrenze von New Mexico, und so spielen die drei Grenzbeamten der Border Patrol Hobbs, Flores und Davis zwischendurch schonmal mit ihren Verkehrskegeln oder improvisieren ein Baseball-Match. Nur selten kommt an dem winzigen Checkpoint, wo es keine Mauern und sonstigen Grenzbefestigungen gibt, mal ein Auto durch, das es auf Drogen zu untersuchen gilt. Lou Hobbs (Clifton Collins Jr.) ist der Erfahrenste des Trios: Er hat eine Spürnase für Drogenschmuggler, für die er allerdings nur abfällige Bezeichnungen kennt; Lance Flores (Gabriel Luna), ein aus Lateinamerika stammender Beamter dagegen goutiert dies überhaupt nicht, er versteht sich mehr aufs Fährtenlesen und bringt dem schnauzbärtigen Neuling Benjamin Davis (Johnny Simmons) bei, die unterschiedlichen Fußspuren im Sand zu interpretieren - die Drogenkartelle benutzen nämlich diverse Zuträger und Handlanger, und deren Wege und Treffpunkte in der unwirtlichen Wüste zu kennen, kann von großem Nutzen sein. Während Hobbs die wenigen Fahrer mitunter scharf kontrolliert, überprüfen Flores und Davis weniger gründlich - ein bereits abgefertigter Fahrer wird von Hobbs dann nochmals aufgehalten, doch der Typ gibt überraschend Vollgas und schleift Hobbs mit, bis dieser zu seiner Waffe greift und ihn erschießt. Bei der anschließenden Untersuchung der ungepflegten Karre finden die beiden Kollegen dann massenweise Stoff in diversen Verstecken - doch die Genugtuung des verletzten Hobbs darüber ist nicht von langer Dauer, denn als der Fund gemeldet werden soll, zieht Davis plötzlich seine Waffe und bedroht die konsternierten Kollegen - er arbeitet für das Kartell und sollte genau jenen Wagen durchwinken...

Die amerikanische Indie-Produktion Transpecos weiß mit einer Alltagsgeschichte einen Einstieg in eine unerwartete Situation zu schaffen, in die sich der geneigte Zuschauer sofort hineinversetzen kann: Wie würde man selbst reagieren, wenn sich ein Kollege plötzlich als Mitglied der Gegenseite herausstellt? Regisseur Greg Kwedar, der auch am Drehbuch mitschrieb, läßt dabei genügend Raum für die Beweggründe des Übeltäters, der in durchaus ambivalentem Licht erscheint - während Hardliner Hobbs gefesselt auf Rache sinnt, versucht der sich langsam als Hauptfigur herauskristallisierende und kompromissbereite Flores verzeifelt, noch zu retten was zu retten ist: Mit seinem (toll)kühnen Verhalten will er einerseits seinem verletzten Kollegen helfen und andererseits den unter großem Druck stehenden, zu allem entschlossenem Davis vor der Rache des Kartells retten - es folgt eine Odyssee durch die unwirtlich-heiße Wüste New Mexicos, auf der Suche nach geheimen Treffpunkten bzw. echten oder vermeintlichen Laufburschen, stets in der Gefahr, vom Kartell vernichtet oder von den inzwischen alarmierten Grenzpolizei-Kollegen entdeckt zu werden.

Transpecos stellt vor allem auf die soziale Interaktion der drei sehr unterschiedlichen Charaktäre ab, die situationsbedingt augenblickliche Entscheidungen treffen und manchmal auch gegen ihre Überzeugung zusammenarbeiten müssen - dabei sind vor allem die authentisch-direkten Dialoge zu loben, die nicht die geringste Spur von Gangster-Kitsch oder Pathos aufweisen, sondern dem Zuschauer einen sehr direkten Draht zum Geschehen vermitteln.
Punktabzug gibt es für das meiner Meinung nach überhastet abgedrehte Ende, das dann doch etwas unglaubwürdig daherkommt und im Gegensatz zum bisherigen Erzähltempo einige erklärungsbedürftige Bocksprünge enthält - hier hätten ein paar zusätzliche Szenen dem mit 86 Minuten ohnehin nicht überlangen Streifen gutgetan.

Insgesamt ein kleiner, aber feiner Grenz-Thriller ohne große Ambitionen, der ein wenig an das ebenfalls 2016 entstandene hervorragende Hell or high Water erinnert, budgetbedingt freilich ohne bekanntere Darsteller oder größere Actionszenen. Dennoch durchaus einen Blick wert: 6,7 Punkte.

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