Der Thriller der Regisseure Guaglione und Resinaro gleicht ein wenig der Konstellation von „127 Hours“, denn ein Mann ist über viele Stunden an einem Ort gefangen. Der Unterschied: Im Erstgenannten kann er sich nicht bewegen, im Vorliegenden darf er sich nicht bewegen.
Die Marines Mike (Arnie Hammer) und Tommy (Tom Cullen) vergeigen eine Mission und verlaufen sich anschließend in der Wüste. Doch es kommt noch schlimmer, als Tommy auf eine Landmine tritt und beide Unterschenkel verliert, während Mike kurz darauf ebenfalls auf eine Mine tritt. Per Funk erfährt er, dass Hilfe frühestens in 52 Stunden möglich ist…
Da ist die Mine und da ist der Soldat und er steht drauf. So einfach kann eine Prämisse sein, die bereits in mehreren Kriegsfilmen für spannende Momente sorgte.
Bis es zu dem sprichwörtlich entscheidenden Schritt kommt, sorgt das Drehbuch allerdings für kleine Makel, denn ein Sniper würde seine Mission bezüglich moralischer Bedenken hinsichtlich einer stattfindenden Hochzeit bestimmt nicht in Frage stellen, Profis latschen nicht ohne Kopfbedeckung durch die Wüste und hätten im Normalfall auch mehr als eine mickrige Feldflasche dabei. Mit dem berühmten Klick wird es indes spannend und die Ereignisse überstürzen sich kurzzeitig.
Die Fokussierung auf nur eine Figur ist zwar grundlegend riskant, doch Hammer performt recht stark und vermag mithilfe des ausgezeichneten Make-ups eine überzeugende Performance abzuliefern und stemmt die Angelegenheit locker. Wenn auch zwischenzeitlich mit Unterstützung eines Einheimischen (Clint Dyer), welcher ebenfalls großartig performt und sogar für kleine Aufheiterungen in Form von Missverständnissen sorgt.
Ansonsten hat Mike verdammt viel Zeit, sich seinen inneren Dämonen zu stellen, Fehler der Vergangenheit zu reflektieren und sich auf extreme Temperaturunterschiede einzustellen.
In Form einiger Flashbacks geht es zurück in die Kindheit, eine Zeit mit tyrannischem Vater und zu einer Schlägerei in einer Bar, nach der er seine Freundin kennen lernt. Wie Schlüsselmomente kommt es auch in diesen Situationen zum Klick und jener Körperhaltung, die Mike nun bewegungsunfähig macht, er ist quasi mit dem linken Bein im Grab, wobei ein Sandsturm in so einer Lage nicht gerade etwas für Hänflinge ist.
Im Verlauf, also nach einigen Tagen des Verharrens mehren sich auf nachvollziehbare Weise Wahnvorstellungen und Halluzinationen. Nachts tauchen Wölfe auf, es scheint zu einem feindlichen Angriff zu kommen und auch der Einheimische bringt eine tragische Philosophie mit. Im letzten Drittel ist erhöhte Aufmerksamkeit gefragt, um nicht zwischen Wahn und Realität zu straucheln, wogegen die Auflösung nicht wirklich verwundert, jedoch insgesamt zufrieden stellt.
Natürlich ist „Mine“ kein Film für eingefleischte Actionfreunde mit Hang zu viel Bewegung und Ballerei. Hier wird ausgeharrt bis die Haut Risse zeigt und sich Körperpartien blutrot färben, bestimmte Begebenheiten Hoffnung schöpfen lassen, wogegen andere offenbar das Schicksal bereits besiegelt haben. Eine ansprechende und spannende Prämisse, grundsolide in Szene gesetzt, überzeugend performt, nur phasenweise etwas zu pathetisch und mit zu vielen überdeutlichen Metaphern gespickt vorgetragen. Ein simpler Survival-Thriller mit hohem Unterhaltungswert.
7,5 von 10