Zwei Marines auf Spezial-Mission irgendwo im Nirgendwo der arabischen Wüste: Einen hochrangigen Terroristen gilt es auszuschalten, 13 Monate lang wurde auf diesen Augenblick hingearbeitet, doch als sich der dann endlich in einer Gruppe von Gefolgsleuten zeigt, zögert Michael Stevens (Armie Hammer), den Gesuchten auszuschalten, da er in dem Treffen eine Hochzeit erkennt. Trotz Aufforderung über Funk wie auch der seines Spotters Tommy (Tom Cullen) neben ihm bricht Stevens die Operation ab - mehr noch, durch Sonnenreflektion an seinem Zielfernrohr erkannt und daraufhin von den Observierten entdeckt und beschossen, müssen die beiden Marines auch noch zu Fuß fliehen.
Statt die Mission erfolgreich beendet zu haben, führt ihr Weg einige Stunden lang durch die heiße Wüstensonne direkt in eines der zahlreichen dort angelegten Minenfelder. Dem übermütigen Tommy, der an sein Glück glaubt, werden beim Rückwärtslaufen im trügerischen Sand dann beide Unterschenkel abgerissen, während Stevens ebenfalls auf eine Mine tritt, die aber nicht hochgeht, da er wie angewurzelt stehenbleibt. In dieser Position ist er nun zum Ausharren gezwungen, ein Entsatzteam ist in frühestens 56 Stunden vor Ort, bis dahin muß er durchhalten, ohne Wasser und allein, denn Tommy gibt sich angesichts unerträglicher Schmerzen kurz darauf selbst die Kugel...
Entgegen Cover und deutschem Titel handelt es sich bei Überleben - Ein Soldat kämpft niemals allein nicht um einen Kriegsfilm, sondern um den Überlebenskampf eines Soldaten gegen die unbarmherzige Natur. Die beiden italienischen Regisseure Fabio Guaglione und Fabio Resinaro beleuchten dabei mit zunehmender Filmdauer immer mehr den Menschen in dieser Uniform, der sich und sein ganzes bisheriges Leben zu hinterfragen beginnt: Den Einsatz vermasselt, den Kameraden verloren, mehr als zwei volle Tage auf Hilfe warten und dabei völlig alleine und hilflos dem Durst, den häufigen Sandstürmen und nächtlichen Wolfsrudeln ausgeliefert, und das alles unter der Prämisse, den linken Fuß niemals anheben zu dürfen, weil sonst die Mine hochgeht.
Kein Wunder, daß Seargeant Michael Stevens, körperlich ein durchtrainierter Elitesoldat, langsam anfängt, sich selbst zu reflektieren. Wie war das mit seiner Frau Jenny, die er durch eine Kneipenschlägerei kennengelernt hatte, als er es mit gleich 4 anderen Elitesoldaten aufnahm, die die damalige Kellnerin belästigten? Oder mit seinem prügelnden Vater, der ihn im Kindesalter mitsamt seiner Mutter einfach sitzen ließ? Irgendwann kommt ein Einheimischer vorbei, ein Berber (Clint Dyer), der Stevens allerdings nicht wirklich helfen kann, ihm aber fröhlich radebrechend Ratschläge gibt: Er müsse den nächsten Schritt setzen (was angesichts der Mine unter seinem Fuß fast zynisch klingt) und seinen Weg fortsetzen, da man immer seinen Weg fortsetzen müsse...
Mit solcherlei zumindest oberflächlich angerissenen existenzialistischen Fragen bietet Mine auch dem Zuseher die Möglichkeit, sich in Stevens´ Situation hineinzuversetzen und über den Rahmen dieses fast schon kammerspielartig angelegten Szenarios hinauszudenken: Wo ist der Sinn des Ganzen, und gibt es nicht Dinge, die viel wichtiger sind als so ein Kriegseinsatz? Darüber hinaus ergibt sich aus der filmischen Konstellation auch der interessante Gegensatz zwischen dem Einheimischen, einem in Armut lebenden, aber "freien Mann", und dem aus einem westlichen, hochtechnologisierten Land stammenden Soldaten in feindlicher Mission, der so ausgesprochen "unfrei" in einer Todesfalle steckt, von Ersterem jedoch freundlich behandelt wird.
Neben der starken Performance von Hammer und Dyer bleiben einige interessante Ideen wie jene der Plastiksoldaten im Sand, des aus dem Boden wachsenden Hauses oder des akustisch hervorgehobenen Klickens des Minen-Zündmechanismus (bei gewissen Schritten in den Rückblenden aus Stevens´ Leben) im Gedächtnis; Abstriche muß man dagegen bei einigen technischen Fehlern machen, wie jenem, daß auf einer Anhöhe positionierte Sniper wohl entspiegelte Zielfernrohre verwenden und auch nie auf eine Kopfbedeckung in der sengenden Hitze verzichten würden; daß ein Scharfschütze Gewissensbisse bei der Ausübung seiner Tätigkeit verspürt und mehr als 2 Tage auf Rettung warten muß, scheint ebenfalls etwas unrealistisch, tut der latenten Spannung jedoch keinerlei Abbruch.
Fazit: Ein sehenswerter Streifen, der sich in eine ganz andere, und zwar deutlich interessantere Richtung entwickelt, als man dies nach den ersten 10 Minuten Laufzeit vermuten könnte. 8 Punkte.