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Es ist der zweite abendfüllende Film des Spaniers Carles Torrens, der nach seinem soliden Exorzismusstreifen „Apartment 143 – Residenz des Bösen“ in Richtung Psychothriller tendiert. Zwar wurde in denselben Räumlichkeiten gedreht, in denen bereits „Saw“ entstand, doch auf Foltereinlagen ist der Stoff, trotz des scheinbar eindeutigen Covers nicht ausgelegt.

Seth (Dominic Monaghan) wird eines Tages auf die attraktive Holly (Ksenia Solo) aufmerksam, die er flüchtig von der Highschool kennt. Er stellt ihr nach und entwickelt eine Obsession für die junge Frau, doch nach einigen Annäherungsversuchen wird er kalt zurückgewiesen und erhält Prügel von ihrem Ex. Kurzerhand entführt er Holly und steckt sie in einen Käfig, welchen er im verborgenen Keller im Tierheim platziert, in dem er arbeitet.
Doch so eindeutig sind die Machtverhältnisse nicht verteilt…

Torrens baut seine Geschichte eher langsam auf, denn obgleich nur zwei Figuren im Fokus des Interesses stehen, nimmt das Drumherum wie Nachforschungen in sozialen Netzwerken oder geheime Beobachtungen zuviel Zeit in Anspruch. Außenseiter Seth ist nicht gerade ein Sympathieträger, da er sich bei den Annäherungsversuchen regelrecht plump anstellt, während Holly latent kühl rüberkommt. Als er Holly entführt, hat er mehr Glück als Verstand, denn in ihre Wohnung zu kommen, erweist sich als reine Glückssache, genauso wie der Umstand an ihr Tagebuch zu gelangen.

Jenes ist allerdings der Schlüssel zu einigen Wendungen, die sich bereits im Mittelteil ergeben. Es tun sich menschliche Abgründe auf und diverse falsche Fährten werden teils subtil, teils mit der Brechstange eingestreut. Allerdings häufen sich damit auch zusehends Unwahrscheinlichkeiten und Logiklöcher und auch einige Verhaltensweisen in speziellen Situationen sind nur schwer nachvollziehbar.

Jedoch halten die Twists bei Laune, gleiches gilt für die überzeugenden Darbietungen der Hauptdarsteller, die im letzten Drittel recht intensiv und gleichermaßen nuanciert performen. Ebenfalls positiv ist der Score zu erwähnen, der mit einigen eingängigen Themen in gelungener Orchestrierung daherkommt.
Überhaupt arbeitet Torrens ohne handwerkliche Makel, selbst die wenigen, jedoch teils brachialen Gewalteinlagen sind solide inszeniert.

Die eine oder andere Wendung hätte die Geschichte im Endeffekt nicht gebraucht, besonders im Schlussakt gehen damit einige Logiklöcher einher. Nach einem verhaltenen Einstieg punkten die düstere Atmosphäre und das trostlose Setting, während Spannung durch manch unerwartete Reaktion der zwielichtigen Figuren generiert wird.
Aufgrund inhaltlicher Mankos nicht der große Wurf, doch Freunde düsterer Kost kommen abseits gängiger Folterfilme passabel auf ihre Kosten.
6 von 10

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