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Eine hübsche Frau - gefangen in einem Käfig - ziert das Cover einer Blu-ray. Das weckt Männerfantasien. Folterfilm? Exploitation? Emanzipations-Politvehikel? Filmschrott? Zum Glück ist der spanisch-amerikanische „Pet" nichts dergleichen. Stimmt schon, ein Typ entführt das ihn zurückweisende Objekt der Begierde und sperrt es in einem Keller ein wie ein Tier. Doch so vordergründig sich das anhört, so hinterrücks entpuppt sich im Verlauf die Geschichte.

Der bisher eher unauffällige Carles Torrens inszeniert einen Thriller - keinen Horrorfilm! -, der sich um seine Figuren bemüht. Das klingt banal, ist aber vor allem in dem Sparten-Bereich, in dem „Pet" fälschlicherweise verortet wird, keine Selbstverständlichkeit. Mit dem aus „Herr der Ringe" bekannten Dominic Monaghan hat Torrens einen Hauptdarsteller an der Hand, der das Profil des psychologisch (un-)auffälligen Entführers mit einer brillanten Leistung schärft und glaubhaft verkörpert. Auch die attraktive Lettin Ksenia Solo füllt ihre - im weiteren Verlauf der Handlung - nicht ganz leicht zu stemmende Rolle als Entführungsopfer wunderbar aus und hilft damit, die wiederholt das Geschehen vor sich hertreibenden Storytwists glaubhaft zu machen. So unglaubhaft die auch sind.

Der Grund, warum „Pet" nicht mit dem Lob bedacht wird, das er verdient, mag der sein, dass er - festhalten! - mehr verschrobene Liebesgeschichte denn Horrorfilm ist. Freilich, von tiefenpsychologischer Diagnostik sind wir hier noch weit entfernt, doch überträgt der exzellente Cast, angeführt von seinen zwei Hauptfiguren, die hier ununterbrochene Bedrohung auf den geneigten Zuschauer, der mit Sicherheit wissen möchte, wohin die sich immer schneller drehende Geschichte führt. Schön auch, dass es nicht möglich ist, wie andernorts so oft, die unerwarteten Wendungen kommen zu sehen. Dem ausgebufften, wenn auch etwas wagemutigen Screenplay ist zu verdanken, dass die hier verfolgte Grundidee nicht zu einem zähen Rührstück verkommt. Von Vorhersehbarkeit, Langeweile und auch Kitsch keine Spur.

„Pet" ist natürlich weit davon entfernt, eine Schmonzette zu sein. Der gebürtige Katalane Carles Torrens, von dem man hoffentlich noch öfter hören wird, inszeniert hier einen erwähnenswerten Thriller, der aus der Masse der Veröffentlichungen heraussticht. Wenn er auch nicht ganz den Lobhudeleien gerecht wird, die einmal mehr verdächtig vogelwild zitiert auf die Blu-ray Veröffentlichung geklatscht wurden. Von ein paar Logikfehlerchen abgesehen, die sich schnell in ein solches Szenario schleichen, und die der Vollständigkeit halber erwähnt werden sollten, ist „Pet" ein empfehlenswertes Filmchen. Und zwar eines mit überraschend tollen Darstellern und einem originellen, vielleicht sogar frechen Drehbuch.

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