Renee Morgan (Noomi Rapace) ist eine toughe Frau: Von ihrem Mann getrennt lebend kümmert sie sich um Haus, Job und die Erziehung ihres Sohnes Evan - bis sie eines Tages ganz unvermutet bei einer fingierten Reifenpanne entführt wird. Als sie wieder zu sich kommt, ist sie an eine Liege gefesselt. Die Entführer scheinen es nicht auf Lösegeld abgesehen zu haben sondern stellen ihr Fragen zu ihren Lebensgewohnheiten, Gesundheitszustand etc. Nach und nach findet sie heraus, daß sie nicht die einzige Gefangene ist und daß es die - den Umständen entsprechend - sogar höflichen aber distanzierten Entführer auf ihre DNS abgesehen haben zum Zwecke obskurer Bio-Experimente. Dem Anschein nach kooperierend überlegt sie innerlich fieberhaft nach einer Fluchtmöglichkeit und schließlich gelingt es ihr, mittels eines Teppichmessers ihre Fesseln durchzuschneiden und über den Luftschacht ihr Gefängnis zu erkunden...
Rupture ist ein Film, der wieder ganz auf seine Hauptdarstellerin zugeschnitten ist - stets steht Noomi Rapace im Zentrum des merkwürdigen Geschehens, das der Zuschauer durch ihre Perspektive mit ihr ergründet: egal ob sie angeschnallt auf der Liege angstvoll das Kommende erwartet, ob sie durch die wenigen Worte der Entführer Antworten auf die bohrende Frage nach dem Warum zu erhalten sucht, ob sie mit dem Durchstehen ihrer eigenen Urängste (Arachnophobie) gefoltert wird oder was sie durch die Belüftungsöffnungen des weitverzweigten Luftschachts sieht und ihre Schlüsse daraus zieht: Man ist hautnah mit dabei. Dabei agiert die kleine Schwedin wieder genau wie man sie aus ihrer bekanntesten Rolle (der Lisbeth Salander aus der Millennium-Trilogie) bereits kennt: Als unschuldiges Opfer böswilliger Machenschaften, vermeintlich chancenlos einem übermächtigen Gegner ausgeliefert (auch akustisch versinnbildlicht durch das klack-klack der Stahlfesseln und Türverschlußstäbe), das sich jedoch mit Willensstärke und Ideenreichtum selbst aus der Patsche zu helfen weiß und somit schnell die Sympathien auf seiner Seite hat. Regisseur Steven Shainberg erzählt dabei eine an sich konventionelle Kidnapping-Geschichte, die aber durch das nur sehr langsame und scheibchenweise Aufdecken der Hintergründe einen stets wachsenden Spannungsbogen erzeugt, der bis zum Schluß anhält - oder besser fast bis zum Schluß, denn die letzten knapp 10 Minuten hätte man meiner Ansicht nach schlicht weglassen können. Dieses epilog-artige Filmende nach der Aufklärung zerstört die zuvor sorgfältig aufgebaute Dramaturgie und eröffnet überdies mit seinem open-end unnötigerweise viele neue Fragen. Ganz nebenbei hat mir die eigentliche Aufklärung auch nicht sonderlich gefallen, was den Film in meiner Bewertung ebenfalls absinken läßt.
Neben Rapace wissen darstellerisch auch ihre Antagonisten zu gefallen, wie beispielsweise der wie ein Bankdirektor auftretende Glatzkopf (Michael Chiklis), die stets adrett gekleidete Dianne (Kerry Bishé) mit der Sekretärinnen-Attitüde oder der Leiter der ganzen Unternehmung, der sehr geschätzte Peter Stormare, der leider viel zu wenig Screentime hat und seine süffisanten Kommentare nur selten anbringt.
Tricktechnisch gibt es neben Gesichts-Morphing noch einige krabbelnde Spinnen zu sehen - beides nicht sonderlich aufregend - und da sich innerhalb des sehr oft mit Gelb- und Rottönen künstlich ausgeleuchteten Gefängnisses die Foltereffekte in engen Grenzen halten (und wenn, dann eher das Kopfkino aktivieren), würde ich Rupture, der sicher mit geringem Budget produziert wurde, eher in der SciFi-Thriller-Ecke verorten denn als reinen Horrorfilm bezeichnen. Von der eigentlichen Thematik her (und das ist jene, in die sich der Film mit zunehmender Dauer immer mehr entwickelt) erinnert mich Rupture trotz einiger anfänglicher Anleihen an das Torture-Porn-Genre (wie in Hostel - gekidnappt, eingesperrt, gefesselt) mehr an SciFi-Thriller wie beispielsweise The Arrival von 1996, welcher allerdings mit wesentlich größerem Aufwand gedreht wurde und deutlich mehr SciFi-Elemente beinhaltet.
Fazit: Die ersten knapp 90 der 100 Filmminuten hätten sich eine höhere Wertung verdient, dann aber kam der titelgebende Bruch und so bleiben insgesamt nur 6 Punkte.