Hier kommt die japanische Version von Captain Planet. So oder so ähnlich könnte man Earth Girl Arjuna am treffendsten in einem Satz beschreiben. Die titelgebende Heldin stirbt zwar gleich in ihrer ersten Szene, wird aber rasch von höheren Mächten reanimiert und mit dem Auftrag betraut den Planeten Erde vor der Zerstörung durch seine eigenen Bewohner, die Menschen, zu bewahren. Selbstverständlich wird sie vorher einem ordentlichen Superkräfte-Tuning unterzogen.
Klingt schon mal viel versprechend und sieht anfangs auch verdammt viel versprechend aus. Sehr schöne, detailreiche, gezeichnete Hintergründe wechselnd sich relativ häufig mit komplett computeranimierten Sequenzen ab, welche mit interessanten Einblicken in den Mikrokosmos unserer Welt oder toll animierten Monstern aufwarten. Einziger Schwachpunkt aus optischer Sicht, sind die etwas simplen Figuren, vor allem deren sehr begrenztes Mimik-Repertoire. Positiv bleiben dagegen die klasse Spezialeffekte beim Einsatz von Superkräften oder ähnlichem im Gedächtnis, hier fackelt Arjuna ein sehr hübsches optisches Feuerwerk ab. Musikalisch wird auch gehobenes Niveau geboten, wenn sich auch keiner der Tracks als Ohrwurm aufdrängt klingen sie beim Ansehen der Serie allemal wirklich toll.
Audiovisuell größtenteils gelungen, gutes Konzept, woran scheitert das Ganze denn dann? Ich habe anfangs schon die Parallele zu Captain Planet gezogen, jener Superhelden-Zeichentrickserie mit dem grünen Daumen. Mit diesem bewaffnet zieht auch Arjuna ins Feld, mindestens einmal pro Folge wird darüber lamentiert, wie schlecht der Mensch doch mit seiner Umwelt umgeht, und zu welch üblen Folgen dies einmal führen werde. Nicht, dass daran etwas falsches wäre, aber die Art und Weise wie diese Message hier wieder und wieder dargeboten wird, nämlich mit dem Holzhammer, strapaziert die Nerven doch beträchtlich. Irgendwann möchte man die gute Dame mal am Hals packen, kräftig durchschütteln und anschreien, dass man es kapiert hat gottverdammt noch mal. Schade, denn die eigentliche Handlung ist recht gelungen, hat einige überraschende Wendungen zu bieten und nicht uninteressante Charaktere. Aber wie gesagt, die kitschigen plumpen Ökobotschaften ziehen das ganze zum einem in die Länge und zum anderen auch gehörig in Niveau nach unten.
Fazit: Das Arjuna ein schlechter Anime wäre kann man wirklich nicht behaupten. Leider ist er aber ein etwas verschenkter und misskonzipierter Vertreter seiner Zunft. Für ein jüngerer Publikum handlungstechnisch zu komplex und vielleicht zu effektgeladen, für ältere Anime-Fans eindeutig zu penetrant belehrend und gelegentlich zu kindgerecht in der Darstellung, kann es Arjuna kaum einer Zielgruppe recht machen. Der technisch interessante Mix aus CGI und klassischer Zeichnung ist zwar mal ganz nett zum reinschauen, doch auf längere Zeit entwickelt die Serie ein nicht zu verachtendes Nerv-Potential. Volljährigen würde ich auf alle Fälle davon abraten, es gibt wesentlich erwachsenere Genrevertreter.