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Schön zu sehen das der alte Deodato (77) sich nochmal aufgerafft hat um einen neuen Genrefilm zu präsentieren, der vor allem Fans seiner früheren Werke wie "Nackt & zerfleischt", "Der Vogelmensch", "Cut & Run" und "Der Schlitzer" glücklich machen soll. Das meint, das man selbst mindestens die dreißig Lenzen überschritten haben sollte und die wichtigsten Filme des Meisters schon mal inhaliert hat, ansonsten könnte man leicht Probleme bekommen, der brüchigen Logik, der dramaturgischen Überzeichnung und der makaberen Sichtweise alter Schule zu folgen. Auch die jungen Darsteller sind dabei nicht immer gut in dem was sie tun, können aber mit vehementen Körpereinsatz und lockerer Fleischbeschau mimische und physische Probleme kaschieren. "Ballad in Blood" will zwar radikal und vulgär sein, wirkt aber in einigen Momenten leider nur bemüht, bleibt dabei herrlich altmodisch und streckenweise ziemlich grotesk. Die saubere Optik, der glatte HD-Look und die freakigen Figuren schwelgen dabei in den Hochzeiten des italienischen Films und ergreifen durch die Umsetzung (Kamera, Schnitt) leicht die Sympathie und Bonuspunkte der 1980er, aber eben nur Ansatzweise. Auch der Giallo bekommt sein Fett weg, wird aber nicht so klug und durchdacht wie früher präsentiert, einiges bleibt in den Ansätzen stecken. Vieles wirkt oftmals nur zusammen gewürfelt, und trotzdem meint man das Deodato nochmal das tun würde was ihn einst zu dem gemacht hat, was er einmal war: der König der Kannibalen. Surreale und überdrehte Momente retten seine doch recht blutarme "Ballad in Blood" vor der etwas müde erdachten, aber kurzweiligen Geschichte, die mit Rückblenden der Videotagebücher und dem vermeintlichen Realitätsbezug (angeblich ein wahrer Fall) garniert wurde, wobei die deutsche Synchro mal wieder kurz von der üblichen Peinlichkeit steht und die faszinierende Musik von Claudio Simonetti (Goblin) Deodato förmlich den Arsch rettet. Trotzdem für mich ein klarer Beweis das die Italiener es immer noch können, wenn sie nur wollen und man sie auch mal ließe. Und Deodato, der sichtlich nichts verlernt hat, bleibt im Grunde zwar solide, voll schwarzem Humor und budget-orientiert, aber er filmte mit viel Hingabe, Gier und Lust. Da will man dann in Kürze einfach mehr von sehen, auf jeden Fall. Der Nostalgie zu Liebe. Sleaze on

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