Nach einer orgiastisch verbrachten Halloween-Nacht mit reichlich sex, drugs & alcohol erwachen die Studenten Duke, Jacopo und Lenka am nächsten Morgen in ihrer WG. Reichlich verkatert stellen sie nach kurzer Zeit fest, daß ihre Mitbewohnerin Elizabeth tot ist - ihr wurde die Kehle durchgeschnitten. Doch wer ist dafür verantwortlich? So sehr sie sich auch zu erinnern versuchen, fällt ihnen nicht das Geringste zur vergangenen Nacht ein.
Zunächst einmal beschließen sie, kein Aufsehen zu erregen und die Sache nicht der Polizei zu melden. Die noch reichlich zugedröhnte Lenka wäscht die Tote in der Badewanne, später legen sie sie in einem anderen Zimmer ab. Dann gehen Duke und Jacopo nach draußen, verticken Drogen und kippen in einer nahegelegnen Kneipe noch etwas nach. Deren Besitzer Leo ist gleichzeitig ihr Vermieter und wartet schon seit geraumer Zeit auf sein Geld - doch dafür haben die beiden Studenten jetzt gar keine Zeit. Wieder zuhause, durchwühlen sie die Sachen der Toten und stoßen auf ihr Laptop, das eine ganze Reihe Clips aus den letzten Monaten und auch vom vergangenen Abend enthält. Langsam aber sicher kommen sie dem Hergang des Mordes auf die Spur...
36 Jahre nach seinem kontroversen Nackt und zerfleischt (1980) gibt es nach langer Pause mal wieder einen blutig-sleazigen Film von Ruggero Deodato - der mittlerweile verstorbene, damals 77-Jährige Regisseur läßt in Ballad in blood wieder einen Haufen abgedrehter Typen auflaufen, die sich mit dem Mord an einer Mitkommilitonin beschäftigen müssen. Lose am schlagzeilenträchtigen Mordfall Meredith Kercher orientiert entwirft der Italiener ein wenig erfreuliches Szenario, in dem die alles andere als sympathischen Filmcharaktäre, die sich auch gegenseitig verdächtigen, reichlich konfus agieren.
Dabei beweist Deodato mal wieder ein Händchen für skurrile Typen, indem er fast alle Mitwirkenden als kaputte, mitleidlose Charaktäre inszeniert: für die einen ist der nächste Drogencocktail oder Drink das Erstrebenswerteste, die anderen - wie der Vermieter und sein mit Flügeln herumlaufender androgyner Sohn - grinsen nur die ganze Zeit und warten auf die erstbeste Gelegenheit, sich einen Vorteil zu verschaffen. Einzig das Opfer Elizabeth wirkt in ihren per Selfiestick gedrehten Videos fröhlich und positiv. Doch wer hat ihr und warum die Kehle durchgeschnitten?
Ballad in blood konnte auf kein großes Budget zurückgreifen, auch fehlen dem eher einem Thriller denn einem Horrorfilm gleichenden Streifen die typischen Antagonisten wie Ermittler oder weitere Personen aus dem sozialen Umfeld der Hauptdarsteller, dennoch schafft das Drehbuch mit dem Fokus auf die Persönlichkeiten der drei Hauptdarsteller ein beklemmendes Drama, welches das geneigte Publikum durchaus in seinen Bann zu ziehen vermag.
Bezüglich des realen Mordfalls als Vorbild erlaubt sich Deodato gewisse Freiheiten, besonders was die Ausgestaltung des Finales betrifft. Auch ist seine Amanda Knox hier keine Amerikanerin, sondern die sehr zeigefreudige Tschechin Lenka, doch all dies tut dem Sehvergnügen keinen Abbruch, das seine Faszination auch aus dem morbiden Charme der Locations (ein viele Stockwerke tiefer, begehbarer Brunnen als Partyzone, eine chaotische WG mit großen Räumen und historischem Badezimmer mit kleinem Pool etc.) bezieht.
Kritik mag man an dem wenig durchdachten, bisweilen völlig unlogischem Verhalten der Protagonisten üben, doch dient dies schlußendlich nur dem Zweck, die latente Spannung aufrechtzuerhalten.
Mit seinen teilweise grotesken Übertreibungen trifft der Film sicher nicht jedermanns Geschmack, mir aber hat Ballad in blood dennoch gefallen: 7 Punkte.