Michael Fassbender spielt Callum Lynch, einen verurteilten Mörder, der nach seiner Hinrichtung zu seiner Verwunderung quicklebendig in einer wissenschaftlichen Einrichtung erwacht. Und das ist nicht die einzige Überraschung, die ihn erwartet: So erklärt ihm eine Forscherin, gespielt von Marion Cotillard, das Lynch von einem Assassinen abstammt, der zu Zeiten der spanischen Inquisition ein mächtiges Relikt vor den Templern versteckte. Nun wollen die Nachfolger ebenjener Templer das Relikt in ihren Besitz bringen, weswegen Lynch in einer Maschine, dem Animus, die Erfahrungen seines Vorfahren selbst durchleben und somit preisgeben soll. Lynch stellt sich dafür zunächst in den Dienst der Templer, ohne zu ahnen, was diese planen, wenn sie das Relikt, den Edenapfel, erst in ihren Händen halten.
2016 hätte das Kinojahr werden können, in dem ein bisher wenig beachtetes und für seine meist trashigen Beiträge oftmals belächeltes Genre aus dem Schatten des B-Films treten und mit zwei Blockbustern ein echtes Ausrufezeichen hätte setzen können. Die Rede ist von Computerspielverfilmungen, die in der Vergangenheit vielfach schnell, billig und fantasielos dahingedreht worden waren - und das zu allem Überfluss nicht selten von Uwe Boll. Nun sollte aber alles besser werden: Mit „Warcraft“ und „Assassin`s Creed“ kamen 2016 gleich zwei Spiele-Verfilmungen in die Kinos, deren Budgets die Schallmauer von 100 Millionen Dollar deutlich sprengten. Am Ende kehrte jedoch Ernüchterung ein. „Warcraft“ blieb finanziell am unteren Ende der Erwartungen und floppte insbesondere auf dem heimischen US-Markt, wenngleich der Film mit seiner Bildgewalt und seinem bunten Figuren-Ensemble durchaus zu überzeugen wusste. Bei „Assassin`s Creed“ liegen die Dinge anders. Auch bei Justin Kurzels Film blieb der finanzielle Erfolg aus, jedoch war jeder Dollar, den seine Computerspiel-Verfilmung in die Kassen spülte, einer zu viel.
Die krude Story, wonach die genetischen Erinnerungen des Nachfahren eines Assassinen entschlüsselt werden sollen, mag durch die Rahmenhandlung des Computerspiels bedingt sein, die in Teilen übernommen wurde. Die wirren geschichtlichen Bezüge zum Templer-Orden, der ja immer herhalten muss, wenn es um historische Verschwörungstheorien geht - geschenkt. Die nicht vorhandene Figurenzeichnung, die emotions- und fantasielose Erzählweise - schon ärgerlicher. Im Wesentlichen scheint das Problem darin zu bestehen, dass Kurzel einen zentralen Punkt nicht so recht bedacht zu haben scheint: Wer am PC spielt, der macht das interaktiv und dürfte sich nicht allzu sehr an einer schlechten Story stören, solange ordentlich Action herrscht und allerhand zu tun ist. Für denjenigen, der eine solche Geschichte knapp zwei Stunden lang passiv ertragen muss, ist „Assassin`s Creed“ eine Folter. Und das umso mehr, weil Kurzel seinen Film und seine Geschichte todernst nimmt und kein bisschen Eigenironie aufkommen lässt, obwohl einfach alles vollkommen hanebüchen ist.
So kommt es zu Szenen, in denen Michael Fassbender im spätmittelalterlichen Spanien von Dach zu Dach springt, während sein Nachkomme im Animus, gehalten von einem hydraulischen Roboterarm in der Einrichtung der Templer durch die Gegend springt. Das ist lachhaft - und sieht dabei nicht einmal gut aus. Der Australier Kurzel hatte mit seiner Shakespeare-Verfilmung „MacBeth“ nicht nur erste Erfahrungen mit einem Hauptdarsteller Fassbender sammeln können, sondern auch darin, Bilder einer historischen Kulisse einzufangen. Doch davon sieht man in „Assassin´s Creed“ wenig. Die Optik, ob nun die des mittelalterlichen oder des gegenwärtigen Spaniens, ist staubig und steril, stellenweise allzu düster. So machen auch die allenfalls passablen und zu hektisch geschnittenen Action-Szenen nicht allzu viel her. Was seriöse Schauspieler wie Michael Fassbender, Marion Cotillard, Jeremy Irons, Brendan Gleeson oder Charlotte Rampling dabei zu suchen haben, wird deren Geheimnis bleiben. Die Darstellungen sind ordentlich, aber auch allzu ernst und verkrampft - wie der gesamte Film.
Fazit:
Inhaltlich ein Desaster, narrativ eine Folter und visuell enttäuschend. Das hätte Uwe Boll auch so ähnlich oder womöglich sogar besser hinbekommen - für einen Bruchteil des Budgets.
10 %