"In diesem Augenblick dachte ich, dass eine Seifenoper im Fernsehen auch nicht viel schlechter sein kann."
Taku und Yutaka gehen beide in der Kleinstadt Kochi auf dieselbe Schule und freunden sich an, nachdem sie gemeinsam gegen einen ausgefallenen Schulausflug demonstrieren. Als die Schülerin Rikako aus Tokio neu in die Schule kommt, mischt sie das dortige Leben auf. Rikako fällt durch ihre guten Noten, ihrem attraktiven Äußeren sowie ihren besonderen Ehrgeiz aus der Reihe ihrer Mitschülerinnen. Sie bleibt aber eine Außenseiterin, da ihre Mitschülerinnen nicht mit ihr klar kommen und die Mitschüler sich nicht an sie heran trauen. Yutaka ist heimlich in sie verliebt, während Taku überhaupt nicht mit dem resoluten Mädchen zurecht kommt und seine Hilfsbereitschaft zunächst ausnutzt.
"Flüstern des Meeres" erzählt in ca. 72 Minuten im Schnelldurchlauf und episodenhaft diverse, alltägliche Schul- und Freizeitereignisse. Unüblich für das Studio Ghibli ist die fehlende, fantastische Komponente, wodurch auch die Faszination weniger vorhanden ist.
An sich ist der Anime thematisch vielfältig. Da gibt es pubertäre Teenagerunsicherheiten, Trauer durch die Scheidung der Eltern sowie Probleme durch Familie und Freundschaften. Alles soweit nachvollziehbar. "Flüstern des Meeres" schafft es jedoch nicht diese bekannten Situationen des Lebens emotional an das Publikum zu vermitteln.
Zu distanziert sind die Figuren und erzählerisch fehlt Richtung. Der in Rückblenden erzählte Film enthält keinerlei Höhen, die wirklich berühren. Dieser Mangel ist auf die unzureichende Charakterisierung der drei Protagonisten zurück zu führen. Entweder kommen diese zu kurz, sind zu schablonenhaft oder sind grundlegend unsympathisch.
Der durchgehend ruhige Film erhält Dank zahlreicher Klaviermelodien eine sanfte Stimmung. Die Zeichnungen sind solide, allerdings nicht auf dem gewohnten Niveau des Studios. Die Figuren sind realistisch proportioniert, die Hintergründe überwiegend statisch und lieblos. Hier macht sich das eingeschränkte Budget eindeutig bemerkbar
"Flüstern des Meeres" ist ein netter, wenn auch unspektakulärer Anime, der nicht mit den großen Klassikern und neueren Werken von Studio Ghibli mithalten kann. Trotz thematischer Vielseitigkeit erweist dich die Handlung als belanglos und langwierig. Es fehlen Sympathiefiguren und die figürliche Nähe zu den Protagonisten. Auch die Animation, die auf schlichten Zeichnungen beruht, ist nicht der gewohnte Ghibli Standard. Knappe ...
4 / 10