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Kaviar-TV


Im Jahr 1993 machte das damals noch einigermaßen frische Studio Ghibli eine kleine Perle - so weit, so normal. Doch jetzt kommt die Besonderheit an „Ocean Waves“ - er wurde für das japanische Fernsehen gemacht, war kein riesiger, aufwändiger und womöglich sogar weltweiter Animehit. Selbst heute wird diese sture Teenager-Romanze noch oft genug übersehen und unter Wert verkauft. Dabei kann die liebevolle Geschichte einer süßen, unterflächlich etwas komplizierteren Dreiecksbeziehung an einer Highschool durchaus verzaubern - wenn man in der richtigen Stimmung ist und weiß, was man zu erwarten hat...

Auch wenn ich schrieb, dass der dreiseitige Kernkonflikt, das Herzstück des Films, nicht immer direkt verständlich, etwas komplizierter erscheinen kann - da man, wie in echt, eben nicht hinter die Stirn von Menschen gucken kann - bietet „Ocean Waves“ die vielleicht simpelste und unaufgeregteste, realistischste Geschichte aller Ghiblis. Doch gerade darin kann man Stärken ausmachen. Die Figuren haben ihre Macken und Kanten, wirken dadurch ausgesprochen echt und nachvollziehbar - obwohl und gerade weil man sich manchmal am Kopf kratzt, warum die oder die Figur jetzt so oder so handelt. Aber das Herz macht nunmal Dinge, die der Verstand nicht auf Anhieb verstehen muss... Rechnet man dazu noch einen erstaunlich niedrigen Kitschfaktor (gerade wenn man Thema und Genre betrachtet!), eine atemberaubend schöne Optik, die den Kinohits in nichts nachsteht, eine klasse deutsche Synchro und einen einfühlsamen Score, dann kann man als Ghibli-Fan hier ganz sicher (mindestens) zufrieden sein. Eine Lücke, die es lohnt zu schließen! Selbst wenn das Finnish etwas abgehakt wirkt, ein paar Minuten mehr sicher gut getan hätten und Nebenfiguren deutlich „fleischiger“ hätten „ausgemalt“ werden können. 

Fazit: Klassentreffen der Fein- und Verliebtheiten - auch für's Fernsehen steckt das Studio Ghibli kaum zurück und liefert eine Soap ab, die auf der Zunge und im Auge und im Herzen zergeht. Nicht spektakulär, sehr klein und kurz gehalten - und doch erstaunlich zart, kostbar, echt. Das kurzzeitig exotische Hawaii-Setting ist ein Augenschmaus! 

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